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Platinverbindungen-Vorsorge nach DGUV-Empfehlung E PLT

Dr. Johannes Angerer · Aktualisiert: 12. April 2026 · Lesezeit: 14 Minuten

Beschäftigter im Edelmetallscheidereibetrieb mit Vollschutzanzug beim Filtrieren einer Hexachloroplatinsäure-Lösung

Auf einen Blick

Wer mit halogenierten Platinverbindungen — insbesondere Chloroplatinaten wie Hexachloroplatinsäure und Tetrachloroplatinaten — arbeitet, unterliegt der arbeitsmedizinischen Pflicht- oder Angebotsvorsorge nach ArbMedVV. Chloroplatinate gehören zu den potentesten Atemwegs-Allergenen am Arbeitsplatz; ein einmal manifestiertes Berufsasthma chronifiziert in der Regel und führt häufig zum Tätigkeitswechsel. Zentrales Instrument der Vorsorge ist deshalb der Pricktest mit wässriger Natriumhexachloroplatinat-Lösung — er erkennt die Sensibilisierung bevor sich ein Asthma manifestiert.

1. Was ist die Platinverbindungen-Vorsorge?

Die Platinverbindungen-Vorsorge ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für alle Beschäftigten, die bei ihrer Tätigkeit gegenüber löslichen Platinverbindungen — insbesondere halogenierten Chloroplatinaten — exponiert sein können. Sie ist im DGUV-Empfehlungswerk unter dem Kürzel E PLT geregelt (Fassung Januar 2022) und in die ArbMedVV-Systematik aus Pflicht-, Angebots-, Wunsch- und nachgehender Vorsorge eingebettet.

Arbeitsmedizinisch relevant sind ausschließlich die halogenierten Platinverbindungen — vor allem Salze der vierwertigen Hexachloroplatin(IV)-säure (H₂PtCl₆) und der zweiwertigen Tetrachloroplatin(II)-säure (H₂PtCl₄). Nicht in den Anwendungsbereich fallen: metallisches Platin, Tetraamin-Platindichlorid sowie platinhaltige Zytostatika in der therapeutischen Anwendung.

Wirtschaftliche Schwerpunkte: Edelmetall-Recycling, Pharma-Produktion (Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin), Halbleiter- und Lasertechnik, Galvanik, Katalysatorherstellung.

2. Rechtsgrundlage und Stand April 2026

Die Platinverbindungen-Vorsorge ist in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt — konkret in Anhang Teil 1 Nr. 1 (Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Gefahrstoffen). Die DGUV Empfehlung „Platinverbindungen“ (E PLT) konkretisiert die fachärztliche Durchführung und ist Bestandteil der 2. Auflage der DGUV Empfehlungen (September 2024).

Kein klassischer AGW: Wegen der ausgeprägten Sensibilisierungsgefahr ist für Platinverbindungen kein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) im Sinne der TRGS 900 festgelegt. Die MAK-Kommission empfiehlt eine Spitzenkonzentration von 2 µg/m³ als nicht zu überschreiten.

RegelwerkInhalt
ArbMedVVPflicht- und Angebotsvorsorge bei Gefahrstoffen
GefStoffVGefahrstoffverordnung (aktuelle Fassung 2024)
TRGS 406Sensibilisierende Stoffe für die Atemwege
TRGS 903Biologische Grenzwerte; UBA-Referenzwert Pt im Urin: 10 ng/L
TRGS 907Verzeichnis sensibilisierender Stoffe
CLP-VOChloroplatinate: H334 + H317 (Kat. 1)
BKVBK 4301 (obstruktive Atemwegserkr.) / BK 5101 (Hauterkr.)

3. Vorsorgeanlässe — wann ist welche Vorsorge fällig?

Die ArbMedVV unterscheidet drei reguläre Vorsorgearten plus die nachgehende Vorsorge bei krebserzeugenden Pt-Verbindungen.

3.1 Pflichtvorsorge

Pflichtvorsorge ist zu veranlassen bei Tätigkeiten mit Platinverbindungen, wenn eine wiederholte Exposition gegenüber krebserzeugenden oder keimzellmutagenen Platinverbindungen (Kat. 1A/1B) nicht ausgeschlossen werden kann, oder wenn die Verbindung hautresorptiv ist. In der Praxis: Edelmetallscheidereien, Galvanik, Pt-Katalysatorherstellung.

3.2 Angebotsvorsorge

Angebotsvorsorge bei Tätigkeiten mit Platinverbindungen, wenn Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und keine Pflichtvorsorge greift — etwa bei Labortätigkeiten unter TRGS 526 oder bei sehr geringer Exposition (< 0,02 µg/m³).

3.3 Nachgehende Vorsorge

Nach dem Ausscheiden ist nachgehende Vorsorge anzubieten, wenn Exposition gegenüber CMR-Platinverbindungen vorlag (z. B. Cisplatin-/Carboplatin-Produktion). Anmeldung über das Portal DGUV Vorsorge.

Pricktest-Sonderregel: Die DGUV E PLT empfiehlt eine Pricktestung erstmals 3 Monate nach Aufnahme der Tätigkeit und umgehend beim Auftreten arbeitsplatzbezogener Symptome. Intervalle nicht länger als 12 Monate.

VorsorgeartErstvorsorgeErste NachvorsorgeFolgevorsorgen
Pflichtvorsorgevor Aufnahmenach 12 Monatenalle 24 Monate
Angebotsvorsorgevor Aufnahme12–24 Monate24–36 Monate
Pricktest-Frühscreening3 Monate nach Aufnahmebei Symptomenmind. alle 12 Monate
Nachgehende Vorsorgeinnerhalb 12 Mon. nach Ausscheidenalle 3 Jahrenach Angebot

2. Rechtsgrundlage und Stand April 2026

Die Platinverbindungen-Vorsorge ist in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt — konkret in Anhang Teil 1 Nr. 1 (Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Gefahrstoffen). Die DGUV Empfehlung „Platinverbindungen“ (E PLT) konkretisiert die fachärztliche Durchführung und ist Bestandteil der 2. Auflage der DGUV Empfehlungen (September 2024).

Kein klassischer AGW: Wegen der ausgeprägten Sensibilisierungsgefahr ist für Platinverbindungen kein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) im Sinne der TRGS 900 festgelegt. Die MAK-Kommission empfiehlt eine Spitzenkonzentration von 2 µg/m³ als nicht zu überschreiten.

RegelwerkInhalt
ArbMedVVPflicht- und Angebotsvorsorge bei Gefahrstoffen
GefStoffVGefahrstoffverordnung (aktuelle Fassung 2024)
TRGS 406Sensibilisierende Stoffe für die Atemwege
TRGS 903Biologische Grenzwerte; UBA-Referenzwert Pt im Urin: 10 ng/L
TRGS 907Verzeichnis sensibilisierender Stoffe
CLP-VOChloroplatinate: H334 + H317 (Kat. 1)
BKVBK 4301 (obstruktive Atemwegserkr.) / BK 5101 (Hauterkr.)

4. Betroffene Branchen und Tätigkeiten

Tätigkeiten mit höherer Exposition (> 2 µg/m³)

Edelmetallscheidereien (Aufschluss, Filtration, Kristallisation), Herstellung von Pt-Katalysatoren unter Verwendung von Chloroplatinaten, Herstellung platinhaltiger Zytostatika (Cisplatin, Oxaliplatin, Carboplatin), Galvanikbetriebe mit Pt-Bädern, Halbleiter-/Lasertechnik mit Magnus-Salzen.

Krankheitsbild — Platinose

Die zentrale berufsbedingte Erkrankung ist die IgE-vermittelte Sofortreaktion auf Chloroplatinate. Symptome: Fließschnupfen, Niesen, Husten, Kurzatmigkeit, Augenbrennen, Kontakturtikaria. Im Vollbild: berufsbedingtes Asthma bronchiale. Die Prognose ist asymmetrisch: Rhinitis und Konjunktivitis bilden sich nach Expositionsende meist zurück — Asthma bronchiale chronifiziert in der Regel.

Top-3-Branchen (IAAI-Kundenbasis)

1. Edelmetall-Recycling: Aufschluss mit Königswasser, Filtration, Kristallisation. Hexachloroplatinsäure als Standard-Intermediat.

2. Pharmazeutische Produktion: Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin über Chloroplatinat-Vorstufen. Hohe Exposition in der API-Produktion.

3. Galvanik und Edelmetallveredelung: Pt-Bäder für Schmuck, Sensoren, Brennstoffzellen. Bad-Pflege und Filterwechsel sind expositionsrelevant.

6. Beurteilung und Bescheinigung

Die DGUV-Empfehlung gliedert die Beurteilung in vier Stufen:

StufeBefundKonsequenz
1Keine Erkenntnisse, die Maßnahmen erfordernTätigkeit fortsetzbar
2Leichte Funktionsstörungen oder positiver Pricktest ohne SymptomeSchutzmaßnahmen prüfen, Einsatz an Plätzen mit geringerer Exposition
3Sensibilisierung (asymptomatisch oder symptomatisch)Einsatz nur in Bereichen ohne Pt-Umgang oder mit sehr geringer Exposition; verkürzte Intervalle
4Maßnahmen aus Stufe 2/3 ohne Aussicht auf ErfolgTätigkeitswechsel zu erwägen

Gemäß AMR 6.3 erhalten versicherte Person und Arbeitgeber eine Vorsorgebescheinigung — ohne Diagnose, ohne Pricktest-Befunde, ohne Eignungsurteil.

9. Häufige Fragen (FAQ)

Wer trägt die Kosten der Platinverbindungen-Vorsorge?

Der Arbeitgeber. Die Vorsorge findet während der Arbeitszeit statt. Nachgehende Vorsorge bei CMR-Pt-Verbindungen wird über die Unfallversicherungsträger finanziert.

Warum gibt es keinen AGW für Platinverbindungen?

Wegen der ausgeprägten Sensibilisierungsgefahr — die kritische Wirkung ist nicht dosisabhängig im klassischen Sinne. Die MAK-Kommission empfiehlt eine Spitzenkonzentration von 2 µg/m³.

Was bedeutet ein positiver Pricktest?

Er weist eine Sensibilisierung gegenüber Chloroplatinaten nach — eine spezifische Immunreaktion, die der Manifestation eines Asthmas vorausgeht. Bei rechtzeitiger Umsetzung kann das Asthma verhindert werden.

Kann man eine Platinsalzallergie wieder „verlieren“?

Bei Verlaufstestungen beobachtet man häufig eine Negativierung des Pricktests. Eine erneute Exposition ist dennoch zu vermeiden — die Sensibilisierung kann reaktivieren.

Ist Pt-Schmuck oder ein Pt-Inlay ein Risiko?

Nein. Metallisches Platin ist nicht sensibilisierend. Allerdings können Pt-Inlays den Pt-Wert im Urin erhöhen — wichtiger Confounder beim Biomonitoring.

Was tun bei Cisplatin-Therapie in der eigenen Vorgeschichte?

Anamnestisch erfassen — kann den Pt-Wert im Urin lange erhöhen. Kein Tätigkeitsausschluss, aber bei Dateninterpretation berücksichtigen.

Wer darf die Platinverbindungen-Vorsorge durchführen?

Fachärzte für Arbeitsmedizin oder Ärzte mit Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin (§ 7 ArbMedVV). Pricktest-Schulung und Notfall-Equipment sind Pflicht.

Welche BK-Ziffern sind Pt-bezogen?

BK 4301 (allergische obstruktive Atemwegserkrankungen) und BK 5101 (Hauterkrankungen). Eine eigene BK-Ziffer für Platinose existiert nicht.

Müssen Schwangere mit Platinverbindungen arbeiten dürfen?

Bei CMR-Pt-Verbindungen gelten Beschäftigungsbeschränkungen nach MuSchG. Bei sensibilisierenden Chloroplatinaten ohne CMR-Eigenschaft: individuelle Gefährdungsbeurteilung.

10. Quellen und Literatur

Primärquelle: DGUV (Hrsg.): DGUV Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen, 2. Auflage September 2024, E PLT, Fassung Januar 2022, S. 451–476.

Rechtsgrundlagen: ArbMedVV, GefStoffV, MuSchG, JArbSchG, CLP-VO, ArbSchG, ASiG, DGUV Vorschrift 2.

Technische Regeln: TRGS 401, 406, 420, 500, 526, 903, 907; AMR 2.1, 6.2, 6.3.

Fachliteratur: Merget et al. 2001 (J. Allergy Clin. Immunol.), Merget et al. 2017 (Int. Arch. Occup. Environ. Health), Heederik et al. 2016, Steinfort et al. 2008 (Occup. Med.), UBA-Referenzwert Pt 2003.

Über IAAI Arbeitssicherheit GmbH

Die IAAI Arbeitssicherheit GmbH ist Ihr externer arbeitsmedizinischer und sicherheitstechnischer Dienst — vom Edelmetall-Recycler über die Pt-Katalysator-Produktion bis zum Pharma-API-Standort. Wir betreuen über 80 Branchen mit einem festen Team aus Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit.

Beratungsgespräch anfragen

Stand: 12. April 2026 · IAAI Arbeitssicherheit GmbH · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Maßgeblich sind die in Abschnitt 10 genannten Quellen.

6. Beurteilung und Bescheinigung

Die DGUV-Empfehlung gliedert die Beurteilung in vier Stufen:

StufeBefundKonsequenz
1Keine Erkenntnisse, die Maßnahmen erfordernTätigkeit fortsetzbar
2Leichte Funktionsstörungen oder positiver Pricktest ohne SymptomeSchutzmaßnahmen prüfen, Einsatz an Plätzen mit geringerer Exposition
3Sensibilisierung (asymptomatisch oder symptomatisch)Einsatz nur in Bereichen ohne Pt-Umgang oder mit sehr geringer Exposition; verkürzte Intervalle
4Maßnahmen aus Stufe 2/3 ohne Aussicht auf ErfolgTätigkeitswechsel zu erwägen

Gemäß AMR 6.3 erhalten versicherte Person und Arbeitgeber eine Vorsorgebescheinigung — ohne Diagnose, ohne Pricktest-Befunde, ohne Eignungsurteil.

7. Praxistipps für Unternehmen

1. Gefährdungsbeurteilung als Anker: Pt-Expositionen mit personenbezogenen oder stationären Luftmessungen charakterisieren. Industrie-Einteilung: < 0,02 / 0,02–0,2 / 0,2–2 / > 2 µg/m³.

2. MAK-Empfehlung 2 µg/m³ als Spitzenkonzentration einhalten — oberhalb davon technische Schutzmaßnahmen verstärken.

3. Substitution prüfen: Hexachloroplatinsäure durch Tetraamin-Platindichlorid ersetzen, wo prozesstechnisch möglich.

4. PSA konsequent: Atemschutz P3 + Säureschutz, chemikalienbeständige Handschuhe, Vollschutzanzug bei Filterwechsel.

5. Rauchverbot in Pt-Bereichen — Rauchen steigert die Sensibilisierungsrate signifikant.

6. Vorsorgekartei nach § 3 ArbMedVV lückenlos führen — Verstöße bis zu 5.000 € je Fall.

7. Nachgehende Vorsorge bei Cisplatin-/Carboplatin-Produktion: Anmeldung über DGUV Vorsorge.

8. Fristen-Tracker einsetzen: IAAI-Kunden bekommen automatisierte Fristerinnerungen inkl. Pricktest-Reminder.

8. Praxistipps für Betriebsärzte

Vor der Vorsorge: Aktuelle Gefährdungsbeurteilung anfordern, Industrie-Klassifikation der Exposition einholen, Arbeitsplatzbegehung dokumentieren.

Eingangsberatung: Asymmetrische Prognose ansprechen (Rhinitis reversibel, Asthma chronifiziert). Pricktest-Frühscreening nach 3 Monaten als zentrale Schutzmaßnahme erklären.

Untersuchung: DGUV-Standardfragebögen I + II nutzen. Pricktest mit Natriumhexachloroplatinat 1 g/L (Bezugsquelle IPA München). Bei positivem Pricktest ohne Symptome: Umsetzung in geringen Expositionsbereich + verkürzte Intervalle.

Beurteilungsfallen: Pt-Hintergrundbelastung durch Zahnersatz/Implantate beachten. Spezifische inhalative Provokation nur in spezialisierten Zentren. Cisplatin-Ototoxizität bei Lärmexposition mitbeurteilen.

IAAI-Praxisanker: Digitale Vorsorgekartei mit Pricktest-Reminder nach 3 Monaten Tätigkeitsbeginn, jährliche Wiederholung, Bescheinigungs-Templates, DGUV-Vorsorge-Anmelde-Listen und Vorsorge-Reportings.

9. Häufige Fragen (FAQ)

Wer trägt die Kosten der Platinverbindungen-Vorsorge?

Der Arbeitgeber. Die Vorsorge findet während der Arbeitszeit statt. Nachgehende Vorsorge bei CMR-Pt-Verbindungen wird über die Unfallversicherungsträger finanziert.

Warum gibt es keinen AGW für Platinverbindungen?

Wegen der ausgeprägten Sensibilisierungsgefahr — die kritische Wirkung ist nicht dosisabhängig im klassischen Sinne. Die MAK-Kommission empfiehlt eine Spitzenkonzentration von 2 µg/m³.

Was bedeutet ein positiver Pricktest?

Er weist eine Sensibilisierung gegenüber Chloroplatinaten nach — eine spezifische Immunreaktion, die der Manifestation eines Asthmas vorausgeht. Bei rechtzeitiger Umsetzung kann das Asthma verhindert werden.

Kann man eine Platinsalzallergie wieder „verlieren“?

Bei Verlaufstestungen beobachtet man häufig eine Negativierung des Pricktests. Eine erneute Exposition ist dennoch zu vermeiden — die Sensibilisierung kann reaktivieren.

Ist Pt-Schmuck oder ein Pt-Inlay ein Risiko?

Nein. Metallisches Platin ist nicht sensibilisierend. Allerdings können Pt-Inlays den Pt-Wert im Urin erhöhen — wichtiger Confounder beim Biomonitoring.

Was tun bei Cisplatin-Therapie in der eigenen Vorgeschichte?

Anamnestisch erfassen — kann den Pt-Wert im Urin lange erhöhen. Kein Tätigkeitsausschluss, aber bei Dateninterpretation berücksichtigen.

Wer darf die Platinverbindungen-Vorsorge durchführen?

Fachärzte für Arbeitsmedizin oder Ärzte mit Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin (§ 7 ArbMedVV). Pricktest-Schulung und Notfall-Equipment sind Pflicht.

Welche BK-Ziffern sind Pt-bezogen?

BK 4301 (allergische obstruktive Atemwegserkrankungen) und BK 5101 (Hauterkrankungen). Eine eigene BK-Ziffer für Platinose existiert nicht.

Müssen Schwangere mit Platinverbindungen arbeiten dürfen?

Bei CMR-Pt-Verbindungen gelten Beschäftigungsbeschränkungen nach MuSchG. Bei sensibilisierenden Chloroplatinaten ohne CMR-Eigenschaft: individuelle Gefährdungsbeurteilung.

10. Quellen und Literatur

Primärquelle: DGUV (Hrsg.): DGUV Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen, 2. Auflage September 2024, E PLT, Fassung Januar 2022, S. 451–476.

Rechtsgrundlagen: ArbMedVV, GefStoffV, MuSchG, JArbSchG, CLP-VO, ArbSchG, ASiG, DGUV Vorschrift 2.

Technische Regeln: TRGS 401, 406, 420, 500, 526, 903, 907; AMR 2.1, 6.2, 6.3.

Fachliteratur: Merget et al. 2001 (J. Allergy Clin. Immunol.), Merget et al. 2017 (Int. Arch. Occup. Environ. Health), Heederik et al. 2016, Steinfort et al. 2008 (Occup. Med.), UBA-Referenzwert Pt 2003.

Über IAAI Arbeitssicherheit GmbH

Die IAAI Arbeitssicherheit GmbH ist Ihr externer arbeitsmedizinischer und sicherheitstechnischer Dienst — vom Edelmetall-Recycler über die Pt-Katalysator-Produktion bis zum Pharma-API-Standort. Wir betreuen über 80 Branchen mit einem festen Team aus Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit.

Beratungsgespräch anfragen

Stand: 12. April 2026 · IAAI Arbeitssicherheit GmbH · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Maßgeblich sind die in Abschnitt 10 genannten Quellen.

Betriebsärztin führt einen Pricktest mit Natriumhexachloroplatinat-Lösung am Unterarm einer Beschäftigten durch

4. Betroffene Branchen und Tätigkeiten

Tätigkeiten mit höherer Exposition (> 2 µg/m³)

Edelmetallscheidereien (Aufschluss, Filtration, Kristallisation), Herstellung von Pt-Katalysatoren unter Verwendung von Chloroplatinaten, Herstellung platinhaltiger Zytostatika (Cisplatin, Oxaliplatin, Carboplatin), Galvanikbetriebe mit Pt-Bädern, Halbleiter-/Lasertechnik mit Magnus-Salzen.

Krankheitsbild — Platinose

Die zentrale berufsbedingte Erkrankung ist die IgE-vermittelte Sofortreaktion auf Chloroplatinate. Symptome: Fließschnupfen, Niesen, Husten, Kurzatmigkeit, Augenbrennen, Kontakturtikaria. Im Vollbild: berufsbedingtes Asthma bronchiale. Die Prognose ist asymmetrisch: Rhinitis und Konjunktivitis bilden sich nach Expositionsende meist zurück — Asthma bronchiale chronifiziert in der Regel.

Top-3-Branchen (IAAI-Kundenbasis)

1. Edelmetall-Recycling: Aufschluss mit Königswasser, Filtration, Kristallisation. Hexachloroplatinsäure als Standard-Intermediat.

2. Pharmazeutische Produktion: Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin über Chloroplatinat-Vorstufen. Hohe Exposition in der API-Produktion.

3. Galvanik und Edelmetallveredelung: Pt-Bäder für Schmuck, Sensoren, Brennstoffzellen. Bad-Pflege und Filterwechsel sind expositionsrelevant.

Pharmazeutisch-technische Assistentin im Reinraum bei der Herstellung von Cisplatin-Infusionslösung unter einer Sicherheitswerkbank

5. Untersuchungsumfang — was passiert bei der Vorsorge?

Beratung

Die Vorsorge beginnt mit einem Beratungsgespräch: sensibilisierende Wirkung der Chloroplatinate, Hinweis dass Rauchen die Allergieinzidenz steigert, Schutzmaßnahmen, PSA, Aufklärung zum Pricktest.

Anamnese

Vorexposition gegenüber Platinverbindungen, Lungenerkrankungen, Medikamentenanamnese (Pt-Zytostatika), edelmetallhaltiger Zahnersatz, Silikonimplantate, Rauchverhalten, allergologische Anamnese mit DGUV-Standardfragebögen.

Klinische Untersuchungen

UntersuchungErstvorsorgeNachvorsorge
Spirometrie inkl. Fluss-Volumen-Kurve
Pricktest (Na-Hexachloroplatinat 1 g/L)nur bei Vorexposition✓ (Goldstandard)
Biomonitoring Pt im Urin

Biomonitoring

Kein BGW/BAT-Wert für Platin. Maßstab: UBA-Referenzwert 10 ng/L (95. Populationsperzentil). Probenmaterial: Urin, Zeitpunkt: Expositions-/Schichtende. Methodik: ICP-MS oder Voltammetrie. Wichtige Confounder: Pt-Zahnersatz, Wurzelstifte, Silikonimplantate.

Wichtig: Ein erhöhter Pt-Wert im Urin bedeutet keine Aussage zum Sensibilisierungsrisiko — der Pricktest bleibt der Goldstandard für Sensibilisierung gegenüber Chloroplatinaten.

CompDocs Lexikon › Gefahrstoffe › Platinverbindungen

Platinverbindungen-Vorsorge nach DGUV-Empfehlung E PLT

Dr. Johannes Angerer · Aktualisiert: 12. April 2026 · Lesezeit: 14 Minuten

Auf einen Blick

Wer mit halogenierten Platinverbindungen — insbesondere Chloroplatinaten wie Hexachloroplatinsäure und Tetrachloroplatinaten — arbeitet, unterliegt der arbeitsmedizinischen Pflicht- oder Angebotsvorsorge nach ArbMedVV. Chloroplatinate gehören zu den potentesten Atemwegs-Allergenen am Arbeitsplatz; ein einmal manifestiertes Berufsasthma chronifiziert in der Regel und führt häufig zum Tätigkeitswechsel. Zentrales Instrument der Vorsorge ist deshalb der Pricktest mit wässriger Natriumhexachloroplatinat-Lösung — er erkennt die Sensibilisierung bevor sich ein Asthma manifestiert.

1. Was ist die Platinverbindungen-Vorsorge?

Die Platinverbindungen-Vorsorge ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für alle Beschäftigten, die bei ihrer Tätigkeit gegenüber löslichen Platinverbindungen — insbesondere halogenierten Chloroplatinaten — exponiert sein können. Sie ist im DGUV-Empfehlungswerk unter dem Kürzel E PLT geregelt (Fassung Januar 2022) und in die ArbMedVV-Systematik aus Pflicht-, Angebots-, Wunsch- und nachgehender Vorsorge eingebettet.

Arbeitsmedizinisch relevant sind ausschließlich die halogenierten Platinverbindungen — vor allem Salze der vierwertigen Hexachloroplatin(IV)-säure (H₂PtCl₆) und der zweiwertigen Tetrachloroplatin(II)-säure (H₂PtCl₄). Nicht in den Anwendungsbereich fallen: metallisches Platin, Tetraamin-Platindichlorid sowie platinhaltige Zytostatika in der therapeutischen Anwendung.

Wirtschaftliche Schwerpunkte: Edelmetall-Recycling, Pharma-Produktion (Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin), Halbleiter- und Lasertechnik, Galvanik, Katalysatorherstellung.