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PAK-Vorsorge nach DGUV-Empfehlung E PAK

Dr. Johannes Angerer · Aktualisiert: 8. April 2026 · Lesezeit: 14 Minuten

Straßenbauarbeiter in Warnschutzkleidung mit Atemschutz beim Abtragen einer teerhaltigen AsphaltdeckschichtStraßenbauarbeiter in Warnschutzkleidung mit Atemschutz beim Abtragen einer teerhaltigen Asphaltdeckschicht

Auf einen Blick

Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind Pyrolyseprodukte aus organischem Material — sie entstehen bei der Verkokung von Steinkohle, beim Verarbeiten von Steinkohlenteerpech, beim Abtragen alter pechhaltiger Straßenbeläge und in der Schornsteinreinigung. Sie sind krebserzeugend (Kat. 1B), hautresorptiv und ursächlich für Lungen-, Hautkrebs und Harnwegstumoren. Goldstandard im Biomonitoring: 1-Hydroxypyren im Urin am Schichtende.

1. Was ist die PAK-Vorsorge?

Die PAK-Vorsorge ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für alle Beschäftigten, die gegenüber polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen aus Pyrolyseprodukten exponiert sein können. Sie ist unter dem Kürzel E PAK geregelt (Fassung Januar 2022). Schutzziel: Früherkennung berufsbedingter PAK-Erkrankungen — primär Hautveränderungen und Krebserkrankungen der Haut, Atemwege und Harnwege.

Als Bezugssubstanz für die krebserzeugende Wirkung dient Benzo[a]pyren (BaP). PAK-haltige Gefahrstoffe gelten als krebserzeugend, sofern der BaP-Massengehalt ≥ 50 mg/kg ist. Nach TRGS 910: Akzeptanzkonzentration 70 ng BaP/m³, Toleranzkonzentration 700 ng BaP/m³.

2. Rechtsgrundlage und Stand April 2026

Die PAK-Vorsorge ist in der ArbMedVV geregelt — Anhang Teil 1 Nr. 1 in Verbindung mit § 11 GefStoffV für krebserzeugende Stoffe Kat. 1A/1B.

BaP-Jahre als BK-Schwelle: Für BK 4113 (Lungenkrebs durch PAK) ist eine kumulative Dosis von ≥ 100 BaP-Jahren erforderlich. Für BK 1321 (Harnwegskrebs) ≥ 80 BaP-Jahre. Die Expositionsverzeichnis-Pflicht nach TRGS 410 ist unverzichtbar.

RegelwerkInhalt
ArbMedVVPflicht-/Angebotsvorsorge bei Gefahrstoffen
GefStoffVCMR-Regelungen (Kat. 1A/1B)
TRGS 910ERB für BaP: Akzeptanz 70 ng/m³, Toleranz 700 ng/m³
TRGS 551Teer und andere Pyrolyseprodukte (zentrale TRGS)
TRGS 410Expositionsverzeichnis bei CMR-Gefahrstoffen
BKVBK 1321, 4110, 4113, 4114, 5102

3. Vorsorgeanlässe — wann ist welche Vorsorge fällig?

3.1 Pflichtvorsorge

Bei Tätigkeiten mit wiederholter Exposition gegenüber krebserzeugenden PAK in Pyrolyseprodukten (BaP-Massengehalt ≥ 50 mg/kg) oder wenn Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann.

3.2 Angebotsvorsorge

Bei Tätigkeiten mit PAK-Exposition unterhalb der Pflichtvorsorge-Schwelle — z. B. bei deutlichem Unterschreiten der Akzeptanzkonzentration 70 ng BaP/m³.

3.3 Nachgehende Vorsorge — der kritische Punkt

Wegen langer Latenzzeiten (häufig 20+ Jahre bis Manifestation von Lungen-/Hautkrebs) ist die nachgehende Vorsorge der wichtigste Schutz. Anmeldung über www.dguv-vorsorge.de beim Ausscheiden.

Häufigster Fehler: Beim Ausscheiden eines Mitarbeiters wird die DGUV-Vorsorge-Anmeldung vergessen. Ein fester Anmelde-Workflow beim Austritt ist Pflicht.

VorsorgeartErstvorsorgeErste NachvorsorgeFolgevorsorgen
Pflichtvorsorgevor Aufnahmenach 12 Monatenalle 24–36 Monate
Angebotsvorsorgevor Aufnahme12–24 Monate24–36 Monate
Nachgehende Vorsorgeinnerhalb 12 Mon. nach Ausscheiden36 Monatealle 3 Jahre
Betriebsärztin bei der Hautinspektion auf Teer- und Pechwarzen am Unterarm eines Beschäftigten

4. Betroffene Branchen und Tätigkeiten

Tätigkeiten mit höherer Exposition

Ofenarbeiten in der Steinkohlekokerei, Verarbeiten von Steinkohlenteerpech, Hochofenabstich, Söderberg-Elektroden (Aluminiumgewinnung), Schornsteinreinigung, Abtragen alter pechhaltiger Straßenbeläge, Brandsanierung, Demontage von Kork-Teer-Dämmungen.

Krankheitsbild — drei Hauptpfade

Haut: Dermatitis, Photosensibilisierung, Melanose, Teer-/Pechwarzen (neigen zur karzinomatösen Entartung). Manifestation: Gesicht, Ohren, Handrücken, Skrotum.

Atemwege: Karzinome der Atemwege und Lunge (Latenz ca. 20 Jahre).

Harnwege: Urotheltumoren (BK 1321 ab 80 BaP-Jahren).

Top-3-Branchen (IAAI-Kundenbasis)

1. Straßenbau / Asphaltverarbeitung: Sanierung von Bestandsstraßen der 1950er–1980er mit pechhaltigen Schichten. Fräsen und Entsorgen als Hochrisiko-Tätigkeit.

2. Kokereien und Eisen-/Stahl-/Aluminiumherstellung: Höchste BaP-Expositionen weltweit. Ofenarbeiten, Hochofenabstich, feuerfeste Auskleidungen.

3. Schornsteinfeger / Brandsanierung: Historisch älteste PAK-Berufskrankheit (Hautkrebs, dokumentiert seit Percival Pott 1775). Brandsanierung: TRGS 524 als Leitregel.

Ofenarbeiter in Hitzeschutzkleidung beim Drücken einer Koksbatterie in einer deutschen Steinkohlekokerei

5. Untersuchungsumfang — was passiert bei der Vorsorge?

Beratung

Krebserzeugende, erbgutverändernde und reproduktionstoxische Wirkung von PAK; sensibilisierende, hautresorptive und irritative Wirkung; Photosensibilisierung; PSA (keine reinen Latex-Handschuhe gegen Pech!); Information zur nachgehenden Vorsorge.

Klinische Untersuchungen

UntersuchungErstvorsorgeNachvorsorgeNachgehend
Urinstatus + Sediment + Zytologie✓ (ohne Zytologie)
Spirometriebei Auffälligkeiten
Biomonitoring 1-Hydroxypyren✓ (Goldstandard)— (HWZ zu kurz)
Ganzkörperinspektion inkl. Skrotum✓ (Pflicht)

Biomonitoring

Goldstandard: 1-Hydroxypyren im Urin (nach Hydrolyse), am Schichtende. BAR 0,3 µg/g Kreatinin (für Nichtraucher). Bei nachgehender Vorsorge entfällt das Biomonitoring (Halbwertszeit zu kurz).

Wichtig: Der BAR 0,3 µg/g Kreatinin ist für Nichtraucher abgeleitet. Raucher liegen systematisch darüber — separater Beurteilungspfad nötig.

2. Rechtsgrundlage und Stand April 2026

Die PAK-Vorsorge ist in der ArbMedVV geregelt — Anhang Teil 1 Nr. 1 in Verbindung mit § 11 GefStoffV für krebserzeugende Stoffe Kat. 1A/1B.

BaP-Jahre als BK-Schwelle: Für BK 4113 (Lungenkrebs durch PAK) ist eine kumulative Dosis von ≥ 100 BaP-Jahren erforderlich. Für BK 1321 (Harnwegskrebs) ≥ 80 BaP-Jahre. Die Expositionsverzeichnis-Pflicht nach TRGS 410 ist unverzichtbar.

RegelwerkInhalt
ArbMedVVPflicht-/Angebotsvorsorge bei Gefahrstoffen
GefStoffVCMR-Regelungen (Kat. 1A/1B)
TRGS 910ERB für BaP: Akzeptanz 70 ng/m³, Toleranz 700 ng/m³
TRGS 551Teer und andere Pyrolyseprodukte (zentrale TRGS)
TRGS 410Expositionsverzeichnis bei CMR-Gefahrstoffen
BKVBK 1321, 4110, 4113, 4114, 5102

7. Praxistipps für Unternehmen

1. Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 551 — zentrale TRGS für PAK-Tätigkeiten. Bei Brandsanierung/Altlasten: TRGS 524.

2. BaP-Jahre dokumentieren: Expositionsverzeichnis nach TRGS 410 ist Pflicht. Pro Beschäftigtem: BaP-Konzentration × Expositionszeit = BaP-Jahre.

3. Substitution und Hautschutz: Pechfreie Asphaltdeckschichten; chemikalienbeständige Handschuhe (Viton/FKM, verstärktes Nitril — keine reinen Latex-Modelle).

4. DGUV-Vorsorge-Anmeldung bei jedem Austritt — Pflicht-Workflow im HR/Personal.

5. Hygiene-Triade: Schwarz-Weiß-Bereiche, Verbot von Essen/Trinken/Rauchen am Arbeitsplatz, tägliche Wäsche der Arbeitskleidung im Betrieb.

6. Mutterschutz: Schwangere dürfen nicht mit krebserzeugenden PAK arbeiten.

7. Fristen-Tracker: IAAI-Kunden erhalten automatisierte Erinnerungen inkl. DGUV-Vorsorge-Anmelde-Trigger und 1-Hydroxypyren-Reminder.

6. Beurteilung und Bescheinigung

StufeBefundKonsequenz
1Keine Erkenntnisse, die Maßnahmen erfordernTätigkeit fortsetzbar
2Leichte FunktionsstörungenSchutzmaßnahmen, geringere Exposition
3Verlaufsbeobachtung erforderlichVerkürzte Fristen
4Maßnahmen aus Stufe 2/3 ohne Aussicht auf ErfolgTätigkeitswechsel erwägen

Vorsorgebescheinigung gemäß AMR 6.3 — ohne Diagnose, ohne Befunde, ohne Eignungsurteil.

9. Häufige Fragen (FAQ)

Wer trägt die Kosten der PAK-Vorsorge?

Der Arbeitgeber. Nachgehende Vorsorge wird über die Unfallversicherungsträger finanziert.

Was sind „BaP-Jahre“?

Kumulative Dosis aus BaP-Konzentration (µg/m³) × Expositionszeit in Jahren. BK 1321 ab 80, BK 4113 ab 100 BaP-Jahre.

Welcher Biomonitoring-Parameter ist Goldstandard?

1-Hydroxypyren im Urin am Schichtende. BAR 0,3 µg/g Kreatinin (Nichtraucher).

Was passiert, wenn der Arbeitgeber die Vorsorge nicht anbietet?

Ordnungswidrigkeit nach § 11 ArbMedVV — Bußgelder bis 5.000 € je Fall. Im BK-Fall droht Regress des UVT.

Wer darf die PAK-Vorsorge durchführen?

Fachärzte für Arbeitsmedizin oder Ärzte mit Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin (§ 7 ArbMedVV).

Was ist eine Pechwarze?

Hautveränderung, die zur karzinomatösen Entartung in Plattenepithelkarzinome neigt. Jede Pechwarze ist hautfachärztlich abzuklären.

Was bedeuten Akzeptanz- und Toleranzkonzentration?

Für BaP: Akzeptanz 70 ng/m³, Toleranz 700 ng/m³. Oberhalb der Toleranz: Substitutionsgebot greift verschärft.

Welche BK-Ziffern sind PAK-bezogen?

BK 1321 (Harnwege), BK 4110 (Kokereirohgas), BK 4113 (Lungenkrebs ≥ 100 BaP-Jahre), BK 4114 (Asbest+PAK), BK 5102 (Hautkrebs ohne Schwellendosis).

Müssen Schwangere mit PAK arbeiten dürfen?

Nein. Tätigkeiten mit krebserzeugenden Stoffen Kat. 1B sind nach MuSchG für Schwangere und Stillende unzulässig.

10. Quellen und Literatur

Primärquelle: DGUV (Hrsg.): DGUV Empfehlungen, 2. Auflage September 2024, E PAK, Fassung Januar 2022, S. 477–500.

Rechtsgrundlagen: ArbMedVV, GefStoffV, MuSchG, JArbSchG, CLP-VO, ArbSchG, ASiG, DGUV Vorschrift 2.

Technische Regeln: TRGS 551, 524, 410, 910, 905, 906, 401, 402, 500, 526, 900, 903; AMR 2.1, 6.2, 6.3, 11.1.

Fachliteratur: DGUV BK-Report 2/2013 (BaP-Jahre), DGUV Information 250-104, Letzel/Drexler 1998, Weiß et al. 2019 (IPA-Journal), DFG MAK-/BAT-Werte-Liste.

Über IAAI Arbeitssicherheit GmbH

Die IAAI Arbeitssicherheit GmbH ist Ihr externer arbeitsmedizinischer und sicherheitstechnischer Dienst — vom Asphalt-Mittelständler über die Stahl-Kokerei bis zum Schornsteinfeger-Innungsbetrieb. Wir betreuen über 80 Branchen mit einem festen Team aus Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit.

Beratungsgespräch anfragen

Stand: 8. April 2026 · IAAI Arbeitssicherheit GmbH · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Maßgeblich sind die in Abschnitt 10 genannten Quellen.

3. Vorsorgeanlässe — wann ist welche Vorsorge fällig?

3.1 Pflichtvorsorge

Bei Tätigkeiten mit wiederholter Exposition gegenüber krebserzeugenden PAK in Pyrolyseprodukten (BaP-Massengehalt ≥ 50 mg/kg) oder wenn Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann.

3.2 Angebotsvorsorge

Bei Tätigkeiten mit PAK-Exposition unterhalb der Pflichtvorsorge-Schwelle — z. B. bei deutlichem Unterschreiten der Akzeptanzkonzentration 70 ng BaP/m³.

3.3 Nachgehende Vorsorge — der kritische Punkt

Wegen langer Latenzzeiten (häufig 20+ Jahre bis Manifestation von Lungen-/Hautkrebs) ist die nachgehende Vorsorge der wichtigste Schutz. Anmeldung über www.dguv-vorsorge.de beim Ausscheiden.

Häufigster Fehler: Beim Ausscheiden eines Mitarbeiters wird die DGUV-Vorsorge-Anmeldung vergessen. Ein fester Anmelde-Workflow beim Austritt ist Pflicht.

VorsorgeartErstvorsorgeErste NachvorsorgeFolgevorsorgen
Pflichtvorsorgevor Aufnahmenach 12 Monatenalle 24–36 Monate
Angebotsvorsorgevor Aufnahme12–24 Monate24–36 Monate
Nachgehende Vorsorgeinnerhalb 12 Mon. nach Ausscheiden36 Monatealle 3 Jahre

5. Untersuchungsumfang — was passiert bei der Vorsorge?

Beratung

Krebserzeugende, erbgutverändernde und reproduktionstoxische Wirkung von PAK; sensibilisierende, hautresorptive und irritative Wirkung; Photosensibilisierung; PSA (keine reinen Latex-Handschuhe gegen Pech!); Information zur nachgehenden Vorsorge.

Klinische Untersuchungen

UntersuchungErstvorsorgeNachvorsorgeNachgehend
Urinstatus + Sediment + Zytologie✓ (ohne Zytologie)
Spirometriebei Auffälligkeiten
Biomonitoring 1-Hydroxypyren✓ (Goldstandard)— (HWZ zu kurz)
Ganzkörperinspektion inkl. Skrotum✓ (Pflicht)

Biomonitoring

Goldstandard: 1-Hydroxypyren im Urin (nach Hydrolyse), am Schichtende. BAR 0,3 µg/g Kreatinin (für Nichtraucher). Bei nachgehender Vorsorge entfällt das Biomonitoring (Halbwertszeit zu kurz).

Wichtig: Der BAR 0,3 µg/g Kreatinin ist für Nichtraucher abgeleitet. Raucher liegen systematisch darüber — separater Beurteilungspfad nötig.

9. Häufige Fragen (FAQ)

Wer trägt die Kosten der PAK-Vorsorge?

Der Arbeitgeber. Nachgehende Vorsorge wird über die Unfallversicherungsträger finanziert.

Was sind „BaP-Jahre“?

Kumulative Dosis aus BaP-Konzentration (µg/m³) × Expositionszeit in Jahren. BK 1321 ab 80, BK 4113 ab 100 BaP-Jahre.

Welcher Biomonitoring-Parameter ist Goldstandard?

1-Hydroxypyren im Urin am Schichtende. BAR 0,3 µg/g Kreatinin (Nichtraucher).

Was passiert, wenn der Arbeitgeber die Vorsorge nicht anbietet?

Ordnungswidrigkeit nach § 11 ArbMedVV — Bußgelder bis 5.000 € je Fall. Im BK-Fall droht Regress des UVT.

Wer darf die PAK-Vorsorge durchführen?

Fachärzte für Arbeitsmedizin oder Ärzte mit Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin (§ 7 ArbMedVV).

Was ist eine Pechwarze?

Hautveränderung, die zur karzinomatösen Entartung in Plattenepithelkarzinome neigt. Jede Pechwarze ist hautfachärztlich abzuklären.

Was bedeuten Akzeptanz- und Toleranzkonzentration?

Für BaP: Akzeptanz 70 ng/m³, Toleranz 700 ng/m³. Oberhalb der Toleranz: Substitutionsgebot greift verschärft.

Welche BK-Ziffern sind PAK-bezogen?

BK 1321 (Harnwege), BK 4110 (Kokereirohgas), BK 4113 (Lungenkrebs ≥ 100 BaP-Jahre), BK 4114 (Asbest+PAK), BK 5102 (Hautkrebs ohne Schwellendosis).

Müssen Schwangere mit PAK arbeiten dürfen?

Nein. Tätigkeiten mit krebserzeugenden Stoffen Kat. 1B sind nach MuSchG für Schwangere und Stillende unzulässig.

10. Quellen und Literatur

Primärquelle: DGUV (Hrsg.): DGUV Empfehlungen, 2. Auflage September 2024, E PAK, Fassung Januar 2022, S. 477–500.

Rechtsgrundlagen: ArbMedVV, GefStoffV, MuSchG, JArbSchG, CLP-VO, ArbSchG, ASiG, DGUV Vorschrift 2.

Technische Regeln: TRGS 551, 524, 410, 910, 905, 906, 401, 402, 500, 526, 900, 903; AMR 2.1, 6.2, 6.3, 11.1.

Fachliteratur: DGUV BK-Report 2/2013 (BaP-Jahre), DGUV Information 250-104, Letzel/Drexler 1998, Weiß et al. 2019 (IPA-Journal), DFG MAK-/BAT-Werte-Liste.

Über IAAI Arbeitssicherheit GmbH

Die IAAI Arbeitssicherheit GmbH ist Ihr externer arbeitsmedizinischer und sicherheitstechnischer Dienst — vom Asphalt-Mittelständler über die Stahl-Kokerei bis zum Schornsteinfeger-Innungsbetrieb. Wir betreuen über 80 Branchen mit einem festen Team aus Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit.

Beratungsgespräch anfragen

Stand: 8. April 2026 · IAAI Arbeitssicherheit GmbH · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Maßgeblich sind die in Abschnitt 10 genannten Quellen.

7. Praxistipps für Unternehmen

1. Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 551 — zentrale TRGS für PAK-Tätigkeiten. Bei Brandsanierung/Altlasten: TRGS 524.

2. BaP-Jahre dokumentieren: Expositionsverzeichnis nach TRGS 410 ist Pflicht. Pro Beschäftigtem: BaP-Konzentration × Expositionszeit = BaP-Jahre.

3. Substitution und Hautschutz: Pechfreie Asphaltdeckschichten; chemikalienbeständige Handschuhe (Viton/FKM, verstärktes Nitril — keine reinen Latex-Modelle).

4. DGUV-Vorsorge-Anmeldung bei jedem Austritt — Pflicht-Workflow im HR/Personal.

5. Hygiene-Triade: Schwarz-Weiß-Bereiche, Verbot von Essen/Trinken/Rauchen am Arbeitsplatz, tägliche Wäsche der Arbeitskleidung im Betrieb.

6. Mutterschutz: Schwangere dürfen nicht mit krebserzeugenden PAK arbeiten.

7. Fristen-Tracker: IAAI-Kunden erhalten automatisierte Erinnerungen inkl. DGUV-Vorsorge-Anmelde-Trigger und 1-Hydroxypyren-Reminder.

8. Praxistipps für Betriebsärzte

Vor der Vorsorge: Gefährdungsbeurteilung und BaP-Jahre-Status anfordern. Arbeitsplatzbegehung bei Asphalt-, Koks- und Sanierungsarbeiten.

Eingangsberatung: CMR-Wirkung klar adressieren. Hautresorption und Photosensibilisierung als Doppelrisiko. Pechwarzen-Selbstbeobachtung anleiten.

Untersuchung: Ganzkörperinspektion inkl. Skrotum bei Nachuntersuchungen ist Pflicht. Fotodokumentation. 1-Hydroxypyren am Schichtende — Confounder Rauchen dokumentieren.

Beurteilungsfallen: Nichtraucher-BAR nicht für Raucher anwendbar. Bei nachgehender Vorsorge: 1-Hydroxypyren entfällt, stattdessen Hautstatus und Urinzytologie. BK 5102 (Hautkrebs durch Ruß/Teer/Pech) hat keine Schwellendosis.

IAAI-Praxisanker: Digitale Vorsorgekartei mit BaP-Jahre-Tracker, DGUV-Vorsorge-Anmelde-Listen, 1-Hydroxypyren-Reminder und Vorsorge-Reportings für Asphalt-, Koks- und Schornsteinfeger-Betriebe.

8. Praxistipps für Betriebsärzte

Vor der Vorsorge: Gefährdungsbeurteilung und BaP-Jahre-Status anfordern. Arbeitsplatzbegehung bei Asphalt-, Koks- und Sanierungsarbeiten.

Eingangsberatung: CMR-Wirkung klar adressieren. Hautresorption und Photosensibilisierung als Doppelrisiko. Pechwarzen-Selbstbeobachtung anleiten.

Untersuchung: Ganzkörperinspektion inkl. Skrotum bei Nachuntersuchungen ist Pflicht. Fotodokumentation. 1-Hydroxypyren am Schichtende — Confounder Rauchen dokumentieren.

Beurteilungsfallen: Nichtraucher-BAR nicht für Raucher anwendbar. Bei nachgehender Vorsorge: 1-Hydroxypyren entfällt, stattdessen Hautstatus und Urinzytologie. BK 5102 (Hautkrebs durch Ruß/Teer/Pech) hat keine Schwellendosis.

IAAI-Praxisanker: Digitale Vorsorgekartei mit BaP-Jahre-Tracker, DGUV-Vorsorge-Anmelde-Listen, 1-Hydroxypyren-Reminder und Vorsorge-Reportings für Asphalt-, Koks- und Schornsteinfeger-Betriebe.

4. Betroffene Branchen und Tätigkeiten

Tätigkeiten mit höherer Exposition

Ofenarbeiten in der Steinkohlekokerei, Verarbeiten von Steinkohlenteerpech, Hochofenabstich, Söderberg-Elektroden (Aluminiumgewinnung), Schornsteinreinigung, Abtragen alter pechhaltiger Straßenbeläge, Brandsanierung, Demontage von Kork-Teer-Dämmungen.

Krankheitsbild — drei Hauptpfade

Haut: Dermatitis, Photosensibilisierung, Melanose, Teer-/Pechwarzen (neigen zur karzinomatösen Entartung). Manifestation: Gesicht, Ohren, Handrücken, Skrotum.

Atemwege: Karzinome der Atemwege und Lunge (Latenz ca. 20 Jahre).

Harnwege: Urotheltumoren (BK 1321 ab 80 BaP-Jahren).

Top-3-Branchen (IAAI-Kundenbasis)

1. Straßenbau / Asphaltverarbeitung: Sanierung von Bestandsstraßen der 1950er–1980er mit pechhaltigen Schichten. Fräsen und Entsorgen als Hochrisiko-Tätigkeit.

2. Kokereien und Eisen-/Stahl-/Aluminiumherstellung: Höchste BaP-Expositionen weltweit. Ofenarbeiten, Hochofenabstich, feuerfeste Auskleidungen.

3. Schornsteinfeger / Brandsanierung: Historisch älteste PAK-Berufskrankheit (Hautkrebs, dokumentiert seit Percival Pott 1775). Brandsanierung: TRGS 524 als Leitregel.

6. Beurteilung und Bescheinigung

StufeBefundKonsequenz
1Keine Erkenntnisse, die Maßnahmen erfordernTätigkeit fortsetzbar
2Leichte FunktionsstörungenSchutzmaßnahmen, geringere Exposition
3Verlaufsbeobachtung erforderlichVerkürzte Fristen
4Maßnahmen aus Stufe 2/3 ohne Aussicht auf ErfolgTätigkeitswechsel erwägen

Vorsorgebescheinigung gemäß AMR 6.3 — ohne Diagnose, ohne Befunde, ohne Eignungsurteil.

CompDocs Lexikon › Gefahrstoffe › PAK

PAK-Vorsorge nach DGUV-Empfehlung E PAK

Dr. Johannes Angerer · Aktualisiert: 8. April 2026 · Lesezeit: 14 Minuten

Auf einen Blick

Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind Pyrolyseprodukte aus organischem Material — sie entstehen bei der Verkokung von Steinkohle, beim Verarbeiten von Steinkohlenteerpech, beim Abtragen alter pechhaltiger Straßenbeläge und in der Schornsteinreinigung. Sie sind krebserzeugend (Kat. 1B), hautresorptiv und ursächlich für Lungen-, Hautkrebs und Harnwegstumoren. Goldstandard im Biomonitoring: 1-Hydroxypyren im Urin am Schichtende.

1. Was ist die PAK-Vorsorge?

Die PAK-Vorsorge ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für alle Beschäftigten, die gegenüber polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen aus Pyrolyseprodukten exponiert sein können. Sie ist unter dem Kürzel E PAK geregelt (Fassung Januar 2022). Schutzziel: Früherkennung berufsbedingter PAK-Erkrankungen — primär Hautveränderungen und Krebserkrankungen der Haut, Atemwege und Harnwege.

Als Bezugssubstanz für die krebserzeugende Wirkung dient Benzo[a]pyren (BaP). PAK-haltige Gefahrstoffe gelten als krebserzeugend, sofern der BaP-Massengehalt ≥ 50 mg/kg ist. Nach TRGS 910: Akzeptanzkonzentration 70 ng BaP/m³, Toleranzkonzentration 700 ng BaP/m³.