Auf einen Blick: Die DGUV E STB ist die Basis-Empfehlung für arbeitsmedizinische Vorsorge bei allgemeiner Staubbelastung. A-Staub (alveolengängig, ASGW 1,25 mg/m³) und E-Staub (einatembar, ASGW 10 mg/m³) können chronische Bronchitis, COPD und Asthma verursachen. Pflichtvorsorge bei ASGW-Überschreitung. Kerndiagnostik: Spirometrie mit Fluss-Volumen-Kurve. Hauptbranchen: Bauwirtschaft, Recycling, Lebensmittelindustrie. Berufskrankheiten: BK 4111, BK 4302.

Die Staubbelastung-Vorsorge nach DGUV E STB betrifft alle Beschäftigten mit Exposition gegenüber schwerlöslichen oder unlöslichen Stäuben, die nicht anderweitig speziell reguliert sind. Bei silikogenem Staub, Asbest, Hochtemperaturwollen oder Schweißrauchen gelten die jeweiligen Spezialempfehlungen.
Zwei zentrale Staubfraktionen nach DIN EN 481: A-Staub (alveolengängig, < 5 µm, ASGW 1,25 mg/m³) gelangt bis in die Lungenbläschen. E-Staub (einatembar, ASGW 10 mg/m³) umfasst alle durch Mund und Nase eingeatmeten Partikel.
Schutzziel: Früherkennung chronischer Bronchitis, COPD/Emphysem und Bronchialasthma – Krankheitsbilder, die sich über Jahre schleichend entwickeln und subjektiv erst spät wahrgenommen werden.
| Regelwerk | Relevanter Inhalt |
|---|---|
| ArbMedVV Anh. 1 Teil 1 (1) | Pflichtvorsorge bei ASGW-Überschreitung (A-Staub oder E-Staub) |
| ArbMedVV Anh. 2 Teil 1 | Angebotsvorsorge bei Exposition unterhalb ASGW |
| DGUV Empfehlung E STB | Fachärztliche Durchführung, Fassung Januar 2022 |
| TRGS 900 | ASGW: A-Staub 1,25 mg/m³, E-Staub 10 mg/m³ |
| TRGS 504 | Zentrales Maßnahmenkonzept für A-/E-Staub |
| TRGS 402 | Inhalative Expositionsabschätzung (Messpflicht!) |
| GefStoffV Anh. I Nr. 2.3 | Allgemeine Schutzmaßnahmen für Stäube |
| BK 4111 | COPD/Emphysem Bergleute Steinkohle |
| BK 4302 | Obstruktive Atemwegserkrankungen durch irritative Stoffe |
Wichtig: Die DGUV E STB gilt nicht für Stäube mit spezifischer Toxizität (Quarz, Asbest, Mehlstaub, Holzstaub, Schweißrauche). Für diese gelten die jeweiligen Spezialempfehlungen – der ASGW ist nur allgemeine Obergrenze.
| Branche | Typische Tätigkeiten | Staubfraktion |
|---|---|---|
| Bauwirtschaft | Trockenbau-Schleifen, Abbruch, Stemmarbeiten, Estrichschleifen | A + E |
| Recycling / Abfallwirtschaft | Bauschutt-Sortierung, Metallschrott, Förderband-Arbeit | Mischstaub |
| Lebensmittelindustrie | Pulver-Verwiegen, Chargieren, Absacken | Überwiegend E |
| Keramik / Glasindustrie | Mahlanlagen, Pressen, Ofenwagen | A + E |
| Metallindustrie | Gießerei-Putzerei, Sandaufbereitung, Ofenhalle | A + E |
| Straßenbau | Belagfräsen ohne Bedüsung, Bodenstabilisierung | A + E |
Praxistipp: Häufigster Fehler: Der ASGW wird nicht messtechnisch ermittelt, sondern „geschätzt“. TRGS 402 fordert eine systematische Expositionsabschätzung mit Mess- oder Vergleichsdaten. Im Zweifelsfall greift die Pflichtvorsorge.

Feinstaub entfaltet seine schädigende Wirkung primär in den tiefen Atemwegen. Während die einatembare Fraktion (E-Staub) Nase, Rachen und obere Bronchien reizt, dringt die alveolengängige Fraktion (A-Staub) bis in die Lungenbläschen vor und kann dort chronische Entzündungsprozesse auslösen.
Die arbeitsmedizinische Vorsorge bei Staubbelastung orientiert sich an der DGUV Empfehlung und umfasst eine gestufte Diagnostik je nach Staubart und Expositionshöhe.
| Untersuchung | Parameter | Bewertung |
|---|---|---|
| Anamnese | Arbeits-, Rauch-, Beschwerdeanamnese | Expositionsprofil, Risikofaktoren |
| Spirometrie | FEV₁, FVC, FEV₁/FVC, MEF25-75 | Obstruktion/Restriktion erkennen |
| Körperliche Untersuchung | Auskultation, Perkussion, Inspektion | Atemgeräusche, Thoraxform |
| Pulsoxymetrie | SpO₂ in Ruhe | Screening auf Gasaustauschstörung |
| Untersuchung | Indikation | Aussage |
|---|---|---|
| Bodyplethysmografie | Unklare Spirometrie, V. a. Überblähung | Atemwegswiderstand, Lungenvolumina |
| Diffusionskapazität (DLCO) | V. a. Fibrose/Alveolitis | Gasaustauschfläche quantifizieren |
| Röntgen-Thorax (ILO) | Quarzstaub, Asbeststaub | Pneumokoniose-Klassifikation |
| Low-Dose-CT | Langjährige Quarzexposition | Frühstadien-Erkennung |
| Allergiediagnostik | Mehl-/Holzstaub, organische Stäube | Spez. IgE, Pricktest |

Die Beurteilung der Lungenfunktion erfolgt anhand der GLI-2012-Referenzwerte. Entscheidend ist neben dem Einzelbefund vor allem der individuelle Verlauf über die Jahre.
| Befundkonstellation | Beurteilung | Konsequenz |
|---|---|---|
| FEV₁/FVC ≥ 70 %, FVC ≥ 80 % Soll | Normalbefund | Regelmäßige Nachuntersuchung |
| FEV₁/FVC < 70 %, FEV₁ ≥ 80 % Soll | Leichte Obstruktion (GOLD I) | Engmaschige Kontrolle, Expositionsreduktion prüfen |
| FEV₁/FVC < 70 %, FEV₁ 50–79 % Soll | Mittelschwere Obstruktion (GOLD II) | Tätigkeitswechsel erwägen, BK-Meldung prüfen |
| FVC < 80 % Soll bei normalem Tiffeneau | Restriktive Störung | Weiterführende Diagnostik (DLCO, CT) |
| FEV₁-Verlust > 50 ml/Jahr | Akzelerierter Verlust | Sofortige Expositionsreduktion |
| Anlass | Frist |
|---|---|
| Erstuntersuchung | Vor Aufnahme der Tätigkeit |
| Nachuntersuchung (Regelfall) | Alle 36 Monate |
| Nachuntersuchung bei Auffälligkeiten | Alle 12 Monate |
| Nachuntersuchung bei Quarzstaub | Alle 12–24 Monate |
| Nachgehende Vorsorge | Nach Beendigung der Exposition (bei Karzinogenen) |
Die Staubminimierung folgt dem STOP-Prinzip (Substitution – Technisch – Organisatorisch – Persönlich) gemäß TRGS 504.
Staubbedingte Berufskrankheiten gehören zu den häufigsten anerkannten BK in Deutschland. Die korrekte Zuordnung erfordert eine präzise Expositionsermittlung und klinische Differenzialdiagnostik.
| BK-Nummer | Bezeichnung | Typische Staubart |
|---|---|---|
| BK 4101 | Quarzstaublungenerkrankung (Silikose) | Quarzstaub (Bau, Bergbau, Gießerei) |
| BK 4111 | Chronische obstruktive Bronchitis/Emphysem | Allgemeiner A-Staub (Bergbau) |
| BK 4112 | Lungenkrebs durch Quarzstaub | Quarz bei Silikose-Vorbefund |
| BK 4203 | Adenokarzinom der Nasennebenhöhlen | Hartholzstaub (Buche, Eiche) |
| BK 4301 | Allergisches Asthma durch chem.-irr. Stoffe | Mehlstaub, Isocyanate |
| BK 4302 | Obstruktive Atemwegserkrankung | Getreidestaub, Futtermittelstaub |
Pflichtvorsorge wird ausgelöst, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert (ASGW) für A-Staub von 1,25 mg/m³ oder für E-Staub von 10 mg/m³ überschritten wird. Bei Unterschreitung, aber dennoch relevanter Exposition, ist Angebotsvorsorge vorgesehen. Entscheidend ist die Gefährdungsbeurteilung gemäß GefStoffV.
E-Staub (einatembare Fraktion) umfasst alle Partikel, die über Mund und Nase eingeatmet werden können – bis ca. 100 µm Durchmesser. A-Staub (alveolengängige Fraktion) bezeichnet die Feinstaubpartikel unter ca. 10 µm, die bis in die Lungenbläschen vordringen. A-Staub ist gesundheitlich deutlich gefährlicher, da er nicht mehr durch die natürlichen Reinigungsmechanismen der oberen Atemwege zurückgehalten wird.
Im Regelfall alle 36 Monate im Rahmen der Nachuntersuchung. Bei auffälligen Befunden, Quarzstaub-Exposition oder akzeleriertem FEV₁-Verlust wird das Intervall auf 12 Monate verkürzt. Die Erstuntersuchung erfolgt vor Tätigkeitsaufnahme.
Ja. Insbesondere ultrafeiner A-Staub (PM2,5) kann die Blut-Luft-Schranke passieren und systemische Entzündungsreaktionen auslösen. Epidemiologische Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Atherosklerose bei chronischer Feinstaubexposition – auch am Arbeitsplatz.
Besonders gefährdet sind Beschäftigte in der Bauwirtschaft (Trockenbau, Abbruch, Estricharbeiten), im Recycling und der Abfallwirtschaft, in der Lebensmittelindustrie (Mehlverarbeitung, Gewürzherstellung), in Gießereien, im Bergbau sowie in der Holzverarbeitung. Auch Bäcker, Landwirte und Schweitzer sind stark exponiert.
Als spezialisierter arbeitsmedizinischer Dienst führen wir Vorsorgeuntersuchungen bei Staubexposition bundesweit durch – inklusive Spirometrie, Bodyplethysmografie und Allergiediagnostik. Sprechen Sie uns an.
Jetzt Beratung anfragenDieser Artikel dient der fachlichen Information und ersetzt keine individuelle arbeitsmedizinische Beratung. Stand: April 2026.