
Wer mit halogenierten Platinverbindungen — insbesondere Chloroplatinaten wie Hexachloroplatinsäure und Tetrachloroplatinaten — arbeitet, unterliegt der arbeitsmedizinischen Pflicht- oder Angebotsvorsorge nach ArbMedVV. Chloroplatinate gehören zu den potentesten Atemwegs-Allergenen am Arbeitsplatz; ein einmal manifestiertes Berufsasthma chronifiziert in der Regel und führt häufig zum Tätigkeitswechsel. Zentrales Instrument der Vorsorge ist deshalb der Pricktest mit wässriger Natriumhexachloroplatinat-Lösung — er erkennt die Sensibilisierung bevor sich ein Asthma manifestiert.
Die Platinverbindungen-Vorsorge ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für alle Beschäftigten, die bei ihrer Tätigkeit gegenüber löslichen Platinverbindungen — insbesondere halogenierten Chloroplatinaten — exponiert sein können. Sie ist im DGUV-Empfehlungswerk unter dem Kürzel E PLT geregelt (Fassung Januar 2022) und in die ArbMedVV-Systematik aus Pflicht-, Angebots-, Wunsch- und nachgehender Vorsorge eingebettet.
Arbeitsmedizinisch relevant sind ausschließlich die halogenierten Platinverbindungen — vor allem Salze der vierwertigen Hexachloroplatin(IV)-säure (H₂PtCl₆) und der zweiwertigen Tetrachloroplatin(II)-säure (H₂PtCl₄). Nicht in den Anwendungsbereich fallen: metallisches Platin, Tetraamin-Platindichlorid sowie platinhaltige Zytostatika in der therapeutischen Anwendung.
Wirtschaftliche Schwerpunkte: Edelmetall-Recycling, Pharma-Produktion (Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin), Halbleiter- und Lasertechnik, Galvanik, Katalysatorherstellung.
Die Platinverbindungen-Vorsorge ist in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt — konkret in Anhang Teil 1 Nr. 1 (Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Gefahrstoffen). Die DGUV Empfehlung „Platinverbindungen“ (E PLT) konkretisiert die fachärztliche Durchführung und ist Bestandteil der 2. Auflage der DGUV Empfehlungen (September 2024).
Kein klassischer AGW: Wegen der ausgeprägten Sensibilisierungsgefahr ist für Platinverbindungen kein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) im Sinne der TRGS 900 festgelegt. Die MAK-Kommission empfiehlt eine Spitzenkonzentration von 2 µg/m³ als nicht zu überschreiten.
| Regelwerk | Inhalt |
|---|---|
| ArbMedVV | Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Gefahrstoffen |
| GefStoffV | Gefahrstoffverordnung (aktuelle Fassung 2024) |
| TRGS 406 | Sensibilisierende Stoffe für die Atemwege |
| TRGS 903 | Biologische Grenzwerte; UBA-Referenzwert Pt im Urin: 10 ng/L |
| TRGS 907 | Verzeichnis sensibilisierender Stoffe |
| CLP-VO | Chloroplatinate: H334 + H317 (Kat. 1) |
| BKV | BK 4301 (obstruktive Atemwegserkr.) / BK 5101 (Hauterkr.) |
Die ArbMedVV unterscheidet drei reguläre Vorsorgearten plus die nachgehende Vorsorge bei krebserzeugenden Pt-Verbindungen.
Pflichtvorsorge ist zu veranlassen bei Tätigkeiten mit Platinverbindungen, wenn eine wiederholte Exposition gegenüber krebserzeugenden oder keimzellmutagenen Platinverbindungen (Kat. 1A/1B) nicht ausgeschlossen werden kann, oder wenn die Verbindung hautresorptiv ist. In der Praxis: Edelmetallscheidereien, Galvanik, Pt-Katalysatorherstellung.
Angebotsvorsorge bei Tätigkeiten mit Platinverbindungen, wenn Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und keine Pflichtvorsorge greift — etwa bei Labortätigkeiten unter TRGS 526 oder bei sehr geringer Exposition (< 0,02 µg/m³).
Nach dem Ausscheiden ist nachgehende Vorsorge anzubieten, wenn Exposition gegenüber CMR-Platinverbindungen vorlag (z. B. Cisplatin-/Carboplatin-Produktion). Anmeldung über das Portal DGUV Vorsorge.
Pricktest-Sonderregel: Die DGUV E PLT empfiehlt eine Pricktestung erstmals 3 Monate nach Aufnahme der Tätigkeit und umgehend beim Auftreten arbeitsplatzbezogener Symptome. Intervalle nicht länger als 12 Monate.
| Vorsorgeart | Erstvorsorge | Erste Nachvorsorge | Folgevorsorgen |
|---|---|---|---|
| Pflichtvorsorge | vor Aufnahme | nach 12 Monaten | alle 24 Monate |
| Angebotsvorsorge | vor Aufnahme | 12–24 Monate | 24–36 Monate |
| Pricktest-Frühscreening | 3 Monate nach Aufnahme | bei Symptomen | mind. alle 12 Monate |
| Nachgehende Vorsorge | innerhalb 12 Mon. nach Ausscheiden | alle 3 Jahre | nach Angebot |
Die Platinverbindungen-Vorsorge ist in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt — konkret in Anhang Teil 1 Nr. 1 (Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Gefahrstoffen). Die DGUV Empfehlung „Platinverbindungen“ (E PLT) konkretisiert die fachärztliche Durchführung und ist Bestandteil der 2. Auflage der DGUV Empfehlungen (September 2024).
Kein klassischer AGW: Wegen der ausgeprägten Sensibilisierungsgefahr ist für Platinverbindungen kein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) im Sinne der TRGS 900 festgelegt. Die MAK-Kommission empfiehlt eine Spitzenkonzentration von 2 µg/m³ als nicht zu überschreiten.
| Regelwerk | Inhalt |
|---|---|
| ArbMedVV | Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Gefahrstoffen |
| GefStoffV | Gefahrstoffverordnung (aktuelle Fassung 2024) |
| TRGS 406 | Sensibilisierende Stoffe für die Atemwege |
| TRGS 903 | Biologische Grenzwerte; UBA-Referenzwert Pt im Urin: 10 ng/L |
| TRGS 907 | Verzeichnis sensibilisierender Stoffe |
| CLP-VO | Chloroplatinate: H334 + H317 (Kat. 1) |
| BKV | BK 4301 (obstruktive Atemwegserkr.) / BK 5101 (Hauterkr.) |
Edelmetallscheidereien (Aufschluss, Filtration, Kristallisation), Herstellung von Pt-Katalysatoren unter Verwendung von Chloroplatinaten, Herstellung platinhaltiger Zytostatika (Cisplatin, Oxaliplatin, Carboplatin), Galvanikbetriebe mit Pt-Bädern, Halbleiter-/Lasertechnik mit Magnus-Salzen.
Die zentrale berufsbedingte Erkrankung ist die IgE-vermittelte Sofortreaktion auf Chloroplatinate. Symptome: Fließschnupfen, Niesen, Husten, Kurzatmigkeit, Augenbrennen, Kontakturtikaria. Im Vollbild: berufsbedingtes Asthma bronchiale. Die Prognose ist asymmetrisch: Rhinitis und Konjunktivitis bilden sich nach Expositionsende meist zurück — Asthma bronchiale chronifiziert in der Regel.
1. Edelmetall-Recycling: Aufschluss mit Königswasser, Filtration, Kristallisation. Hexachloroplatinsäure als Standard-Intermediat.
2. Pharmazeutische Produktion: Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin über Chloroplatinat-Vorstufen. Hohe Exposition in der API-Produktion.
3. Galvanik und Edelmetallveredelung: Pt-Bäder für Schmuck, Sensoren, Brennstoffzellen. Bad-Pflege und Filterwechsel sind expositionsrelevant.
Die DGUV-Empfehlung gliedert die Beurteilung in vier Stufen:
| Stufe | Befund | Konsequenz |
|---|---|---|
| 1 | Keine Erkenntnisse, die Maßnahmen erfordern | Tätigkeit fortsetzbar |
| 2 | Leichte Funktionsstörungen oder positiver Pricktest ohne Symptome | Schutzmaßnahmen prüfen, Einsatz an Plätzen mit geringerer Exposition |
| 3 | Sensibilisierung (asymptomatisch oder symptomatisch) | Einsatz nur in Bereichen ohne Pt-Umgang oder mit sehr geringer Exposition; verkürzte Intervalle |
| 4 | Maßnahmen aus Stufe 2/3 ohne Aussicht auf Erfolg | Tätigkeitswechsel zu erwägen |
Gemäß AMR 6.3 erhalten versicherte Person und Arbeitgeber eine Vorsorgebescheinigung — ohne Diagnose, ohne Pricktest-Befunde, ohne Eignungsurteil.
Der Arbeitgeber. Die Vorsorge findet während der Arbeitszeit statt. Nachgehende Vorsorge bei CMR-Pt-Verbindungen wird über die Unfallversicherungsträger finanziert.
Wegen der ausgeprägten Sensibilisierungsgefahr — die kritische Wirkung ist nicht dosisabhängig im klassischen Sinne. Die MAK-Kommission empfiehlt eine Spitzenkonzentration von 2 µg/m³.
Er weist eine Sensibilisierung gegenüber Chloroplatinaten nach — eine spezifische Immunreaktion, die der Manifestation eines Asthmas vorausgeht. Bei rechtzeitiger Umsetzung kann das Asthma verhindert werden.
Bei Verlaufstestungen beobachtet man häufig eine Negativierung des Pricktests. Eine erneute Exposition ist dennoch zu vermeiden — die Sensibilisierung kann reaktivieren.
Nein. Metallisches Platin ist nicht sensibilisierend. Allerdings können Pt-Inlays den Pt-Wert im Urin erhöhen — wichtiger Confounder beim Biomonitoring.
Anamnestisch erfassen — kann den Pt-Wert im Urin lange erhöhen. Kein Tätigkeitsausschluss, aber bei Dateninterpretation berücksichtigen.
Fachärzte für Arbeitsmedizin oder Ärzte mit Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin (§ 7 ArbMedVV). Pricktest-Schulung und Notfall-Equipment sind Pflicht.
BK 4301 (allergische obstruktive Atemwegserkrankungen) und BK 5101 (Hauterkrankungen). Eine eigene BK-Ziffer für Platinose existiert nicht.
Bei CMR-Pt-Verbindungen gelten Beschäftigungsbeschränkungen nach MuSchG. Bei sensibilisierenden Chloroplatinaten ohne CMR-Eigenschaft: individuelle Gefährdungsbeurteilung.
Primärquelle: DGUV (Hrsg.): DGUV Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen, 2. Auflage September 2024, E PLT, Fassung Januar 2022, S. 451–476.
Rechtsgrundlagen: ArbMedVV, GefStoffV, MuSchG, JArbSchG, CLP-VO, ArbSchG, ASiG, DGUV Vorschrift 2.
Technische Regeln: TRGS 401, 406, 420, 500, 526, 903, 907; AMR 2.1, 6.2, 6.3.
Fachliteratur: Merget et al. 2001 (J. Allergy Clin. Immunol.), Merget et al. 2017 (Int. Arch. Occup. Environ. Health), Heederik et al. 2016, Steinfort et al. 2008 (Occup. Med.), UBA-Referenzwert Pt 2003.
Die IAAI Arbeitssicherheit GmbH ist Ihr externer arbeitsmedizinischer und sicherheitstechnischer Dienst — vom Edelmetall-Recycler über die Pt-Katalysator-Produktion bis zum Pharma-API-Standort. Wir betreuen über 80 Branchen mit einem festen Team aus Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit.
Beratungsgespräch anfragenStand: 12. April 2026 · IAAI Arbeitssicherheit GmbH · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Maßgeblich sind die in Abschnitt 10 genannten Quellen.
Die DGUV-Empfehlung gliedert die Beurteilung in vier Stufen:
| Stufe | Befund | Konsequenz |
|---|---|---|
| 1 | Keine Erkenntnisse, die Maßnahmen erfordern | Tätigkeit fortsetzbar |
| 2 | Leichte Funktionsstörungen oder positiver Pricktest ohne Symptome | Schutzmaßnahmen prüfen, Einsatz an Plätzen mit geringerer Exposition |
| 3 | Sensibilisierung (asymptomatisch oder symptomatisch) | Einsatz nur in Bereichen ohne Pt-Umgang oder mit sehr geringer Exposition; verkürzte Intervalle |
| 4 | Maßnahmen aus Stufe 2/3 ohne Aussicht auf Erfolg | Tätigkeitswechsel zu erwägen |
Gemäß AMR 6.3 erhalten versicherte Person und Arbeitgeber eine Vorsorgebescheinigung — ohne Diagnose, ohne Pricktest-Befunde, ohne Eignungsurteil.
1. Gefährdungsbeurteilung als Anker: Pt-Expositionen mit personenbezogenen oder stationären Luftmessungen charakterisieren. Industrie-Einteilung: < 0,02 / 0,02–0,2 / 0,2–2 / > 2 µg/m³.
2. MAK-Empfehlung 2 µg/m³ als Spitzenkonzentration einhalten — oberhalb davon technische Schutzmaßnahmen verstärken.
3. Substitution prüfen: Hexachloroplatinsäure durch Tetraamin-Platindichlorid ersetzen, wo prozesstechnisch möglich.
4. PSA konsequent: Atemschutz P3 + Säureschutz, chemikalienbeständige Handschuhe, Vollschutzanzug bei Filterwechsel.
5. Rauchverbot in Pt-Bereichen — Rauchen steigert die Sensibilisierungsrate signifikant.
6. Vorsorgekartei nach § 3 ArbMedVV lückenlos führen — Verstöße bis zu 5.000 € je Fall.
7. Nachgehende Vorsorge bei Cisplatin-/Carboplatin-Produktion: Anmeldung über DGUV Vorsorge.
8. Fristen-Tracker einsetzen: IAAI-Kunden bekommen automatisierte Fristerinnerungen inkl. Pricktest-Reminder.
Vor der Vorsorge: Aktuelle Gefährdungsbeurteilung anfordern, Industrie-Klassifikation der Exposition einholen, Arbeitsplatzbegehung dokumentieren.
Eingangsberatung: Asymmetrische Prognose ansprechen (Rhinitis reversibel, Asthma chronifiziert). Pricktest-Frühscreening nach 3 Monaten als zentrale Schutzmaßnahme erklären.
Untersuchung: DGUV-Standardfragebögen I + II nutzen. Pricktest mit Natriumhexachloroplatinat 1 g/L (Bezugsquelle IPA München). Bei positivem Pricktest ohne Symptome: Umsetzung in geringen Expositionsbereich + verkürzte Intervalle.
Beurteilungsfallen: Pt-Hintergrundbelastung durch Zahnersatz/Implantate beachten. Spezifische inhalative Provokation nur in spezialisierten Zentren. Cisplatin-Ototoxizität bei Lärmexposition mitbeurteilen.
IAAI-Praxisanker: Digitale Vorsorgekartei mit Pricktest-Reminder nach 3 Monaten Tätigkeitsbeginn, jährliche Wiederholung, Bescheinigungs-Templates, DGUV-Vorsorge-Anmelde-Listen und Vorsorge-Reportings.
Der Arbeitgeber. Die Vorsorge findet während der Arbeitszeit statt. Nachgehende Vorsorge bei CMR-Pt-Verbindungen wird über die Unfallversicherungsträger finanziert.
Wegen der ausgeprägten Sensibilisierungsgefahr — die kritische Wirkung ist nicht dosisabhängig im klassischen Sinne. Die MAK-Kommission empfiehlt eine Spitzenkonzentration von 2 µg/m³.
Er weist eine Sensibilisierung gegenüber Chloroplatinaten nach — eine spezifische Immunreaktion, die der Manifestation eines Asthmas vorausgeht. Bei rechtzeitiger Umsetzung kann das Asthma verhindert werden.
Bei Verlaufstestungen beobachtet man häufig eine Negativierung des Pricktests. Eine erneute Exposition ist dennoch zu vermeiden — die Sensibilisierung kann reaktivieren.
Nein. Metallisches Platin ist nicht sensibilisierend. Allerdings können Pt-Inlays den Pt-Wert im Urin erhöhen — wichtiger Confounder beim Biomonitoring.
Anamnestisch erfassen — kann den Pt-Wert im Urin lange erhöhen. Kein Tätigkeitsausschluss, aber bei Dateninterpretation berücksichtigen.
Fachärzte für Arbeitsmedizin oder Ärzte mit Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin (§ 7 ArbMedVV). Pricktest-Schulung und Notfall-Equipment sind Pflicht.
BK 4301 (allergische obstruktive Atemwegserkrankungen) und BK 5101 (Hauterkrankungen). Eine eigene BK-Ziffer für Platinose existiert nicht.
Bei CMR-Pt-Verbindungen gelten Beschäftigungsbeschränkungen nach MuSchG. Bei sensibilisierenden Chloroplatinaten ohne CMR-Eigenschaft: individuelle Gefährdungsbeurteilung.
Primärquelle: DGUV (Hrsg.): DGUV Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen, 2. Auflage September 2024, E PLT, Fassung Januar 2022, S. 451–476.
Rechtsgrundlagen: ArbMedVV, GefStoffV, MuSchG, JArbSchG, CLP-VO, ArbSchG, ASiG, DGUV Vorschrift 2.
Technische Regeln: TRGS 401, 406, 420, 500, 526, 903, 907; AMR 2.1, 6.2, 6.3.
Fachliteratur: Merget et al. 2001 (J. Allergy Clin. Immunol.), Merget et al. 2017 (Int. Arch. Occup. Environ. Health), Heederik et al. 2016, Steinfort et al. 2008 (Occup. Med.), UBA-Referenzwert Pt 2003.
Die IAAI Arbeitssicherheit GmbH ist Ihr externer arbeitsmedizinischer und sicherheitstechnischer Dienst — vom Edelmetall-Recycler über die Pt-Katalysator-Produktion bis zum Pharma-API-Standort. Wir betreuen über 80 Branchen mit einem festen Team aus Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit.
Beratungsgespräch anfragenStand: 12. April 2026 · IAAI Arbeitssicherheit GmbH · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Maßgeblich sind die in Abschnitt 10 genannten Quellen.

Edelmetallscheidereien (Aufschluss, Filtration, Kristallisation), Herstellung von Pt-Katalysatoren unter Verwendung von Chloroplatinaten, Herstellung platinhaltiger Zytostatika (Cisplatin, Oxaliplatin, Carboplatin), Galvanikbetriebe mit Pt-Bädern, Halbleiter-/Lasertechnik mit Magnus-Salzen.
Die zentrale berufsbedingte Erkrankung ist die IgE-vermittelte Sofortreaktion auf Chloroplatinate. Symptome: Fließschnupfen, Niesen, Husten, Kurzatmigkeit, Augenbrennen, Kontakturtikaria. Im Vollbild: berufsbedingtes Asthma bronchiale. Die Prognose ist asymmetrisch: Rhinitis und Konjunktivitis bilden sich nach Expositionsende meist zurück — Asthma bronchiale chronifiziert in der Regel.
1. Edelmetall-Recycling: Aufschluss mit Königswasser, Filtration, Kristallisation. Hexachloroplatinsäure als Standard-Intermediat.
2. Pharmazeutische Produktion: Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin über Chloroplatinat-Vorstufen. Hohe Exposition in der API-Produktion.
3. Galvanik und Edelmetallveredelung: Pt-Bäder für Schmuck, Sensoren, Brennstoffzellen. Bad-Pflege und Filterwechsel sind expositionsrelevant.

Die Vorsorge beginnt mit einem Beratungsgespräch: sensibilisierende Wirkung der Chloroplatinate, Hinweis dass Rauchen die Allergieinzidenz steigert, Schutzmaßnahmen, PSA, Aufklärung zum Pricktest.
Vorexposition gegenüber Platinverbindungen, Lungenerkrankungen, Medikamentenanamnese (Pt-Zytostatika), edelmetallhaltiger Zahnersatz, Silikonimplantate, Rauchverhalten, allergologische Anamnese mit DGUV-Standardfragebögen.
| Untersuchung | Erstvorsorge | Nachvorsorge |
|---|---|---|
| Spirometrie inkl. Fluss-Volumen-Kurve | ✓ | ✓ |
| Pricktest (Na-Hexachloroplatinat 1 g/L) | nur bei Vorexposition | ✓ (Goldstandard) |
| Biomonitoring Pt im Urin | — | ✓ |
Kein BGW/BAT-Wert für Platin. Maßstab: UBA-Referenzwert 10 ng/L (95. Populationsperzentil). Probenmaterial: Urin, Zeitpunkt: Expositions-/Schichtende. Methodik: ICP-MS oder Voltammetrie. Wichtige Confounder: Pt-Zahnersatz, Wurzelstifte, Silikonimplantate.
Wichtig: Ein erhöhter Pt-Wert im Urin bedeutet keine Aussage zum Sensibilisierungsrisiko — der Pricktest bleibt der Goldstandard für Sensibilisierung gegenüber Chloroplatinaten.
Wer mit halogenierten Platinverbindungen — insbesondere Chloroplatinaten wie Hexachloroplatinsäure und Tetrachloroplatinaten — arbeitet, unterliegt der arbeitsmedizinischen Pflicht- oder Angebotsvorsorge nach ArbMedVV. Chloroplatinate gehören zu den potentesten Atemwegs-Allergenen am Arbeitsplatz; ein einmal manifestiertes Berufsasthma chronifiziert in der Regel und führt häufig zum Tätigkeitswechsel. Zentrales Instrument der Vorsorge ist deshalb der Pricktest mit wässriger Natriumhexachloroplatinat-Lösung — er erkennt die Sensibilisierung bevor sich ein Asthma manifestiert.
Die Platinverbindungen-Vorsorge ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für alle Beschäftigten, die bei ihrer Tätigkeit gegenüber löslichen Platinverbindungen — insbesondere halogenierten Chloroplatinaten — exponiert sein können. Sie ist im DGUV-Empfehlungswerk unter dem Kürzel E PLT geregelt (Fassung Januar 2022) und in die ArbMedVV-Systematik aus Pflicht-, Angebots-, Wunsch- und nachgehender Vorsorge eingebettet.
Arbeitsmedizinisch relevant sind ausschließlich die halogenierten Platinverbindungen — vor allem Salze der vierwertigen Hexachloroplatin(IV)-säure (H₂PtCl₆) und der zweiwertigen Tetrachloroplatin(II)-säure (H₂PtCl₄). Nicht in den Anwendungsbereich fallen: metallisches Platin, Tetraamin-Platindichlorid sowie platinhaltige Zytostatika in der therapeutischen Anwendung.
Wirtschaftliche Schwerpunkte: Edelmetall-Recycling, Pharma-Produktion (Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin), Halbleiter- und Lasertechnik, Galvanik, Katalysatorherstellung.