Physikalische Einwirkungen · DGUV E LRM

Lärm-Vorsorge — Pflicht, Audiometrie & Fristen 2026

Die Lärm-Vorsorge — früher unter G20 bekannt — ist für alle Beschäftigten mit Tages-Lärmexpositionspegeln ab 80 dB(A) Pflicht oder Angebot. Bei 85 dB(A) wird sie zur Pflichtvorsorge. CompDocs digitale Arbeitsmedizin organisiert sie für Sie — von der Auslese aus der Gefährdungsbeurteilung über die Audiometrie bis zur lueckenlosen Vorsorgekartei.

Autor: Dr. Johannes AngererAktualisiert: 20.04.2026Lesezeit: 14 Min.
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Metallbauer mit rotem Kapselgehörschutz und Schutzbrille bedient eine CNC-Fräsmaschine
Lärmexposition in der Metallverarbeitung — Gehörschutz und Vorsorge sind Pflicht ab 85 dB(A).
Auf einen Blick: Die Lärm-Vorsorge ist für alle Beschäftigten mit Tages-Lärmexpositionspegeln ab 80 dB(A) Pflicht oder Angebot des Arbeitgebers. Wer die Untersuchung versäumt, riskiert anerkennungsfähige Lärmschwerhörigkeit (BK 2301), Bußgelder bis 5.000 Euro je Fall und vermeidbare Frühberentungen.

„Die Vorsorgeanlässe bei Tätigkeiten mit Exposition gegenüber Lärm werden durch die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) vorgegeben. Der Lärmexpositionspegel und die Dauer der Lärmbelastung sind die entscheidenden äußeren Einflussgrößen für die Gehörgefährdung.“

— DGUV Empfehlung „Lärm“ (E LRM), Fassung Januar 2022, S. 924 ff.

1. Was ist die Lärm-Vorsorge?

Die Lärm-Vorsorge — früher unter der Kurzbezeichnung G20 bekannt — ist die arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV für alle Beschäftigten, die regelmäßig erhöhten Schallpegeln ausgesetzt sind. Schutzziel ist die frühzeitige Erkennung lärmbedingter Hörminderungen, bevor sie sich zur dauerhaften und anerkennungsfähigen Lärmschwerhörigkeit (Berufskrankheit Nr. 2301) entwickeln.

Lärm gehört zu den am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten in Deutschland. Eine einmal eingetretene Innenohrschwerhörigkeit ist irreversibel — und damit ist die Lärm-Vorsorge eine der wirkungsvollsten Sekundärpräventionen, die ein Unternehmen seinen Mitarbeitenden anbieten kann. Die Vorsorge umfasst eine fundierte Anamnese, eine Inspektion des Außenohrs und in der Regel eine Tonschwellenaudiometrie nach DIN EN ISO 8253-1.

Auslöser sind die in der LärmVibrationsArbSchV definierten Auslösewerte: ab 80 dB(A) Tages-Lärmexpositionspegel oder 135 dB(C) Spitzenschalldruckpegel ist die Angebotsvorsorge zu organisieren, ab 85 dB(A) bzw. 137 dB(C) wird sie zur Pflichtvorsorge und der Gehörschutz ist zwingend zu tragen.

Betroffen sind klassischerweise Beschäftigte in Metallverarbeitung, Bauwirtschaft, Holz-, Textil- und Druckindustrie, in der Lebensmittelverarbeitung, im Bergbau sowie in der Logistik und im Verkehrswesen. CompDocs digitale Arbeitsmedizin bildet diesen Workflow von der Triggerung aus der Gefährdungsbeurteilung über die Audiometrie bis zur Vorsorgekartei vollständig digital ab.

2. Rechtsgrundlage und Stand April 2026

Die Lärm-Vorsorge ist in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt — konkret im Anhang Teil 3 (Physikalische Einwirkungen). Daneben gilt die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV), die die Auslösewerte für Pflicht- und Angebotsvorsorge sowie die Pflicht zum Tragen von Gehörschutz definiert. Maßgebliches arbeitsmedizinisches Standardwerk ist die DGUV Empfehlung „Lärm“ (E LRM), Fassung Januar 2022, abgedruckt in der 2. Auflage der DGUV Empfehlungen (September 2024).

Relevante Rechtsgrundlagen (Stand April 2026):

Verhältnis zu Eignungsbeurteilungen: Die Lärm-Vorsorge nach ArbMedVV umfasst keine Eignungsbeurteilung. Wo zusätzlich eine Eignungsfeststellung gesetzlich oder tarifvertraglich erforderlich ist — etwa bei Triebfahrzeugführern — wird sie strikt getrennt von der ArbMedVV-Vorsorge dokumentiert. Bei Tätigkeiten mit Lärmexposition liegen laut DGUV-Empfehlung sonst keine spezifischen Eignungs-Anforderungen vor.

Wichtig: Die DGUV-Empfehlung ist keine Rechtsverbindlichkeit, sondern „Stand der allgemein anerkannten arbeitsmedizinischen Erkenntnisse“. Rechtsverbindlich sind ArbMedVV und LärmVibrationsArbSchV. Bei Auslegungsfragen entscheidet im Streitfall das Arbeitsgericht oder die zuständige Aufsichtsbehörde — nicht der Betriebsarzt allein.

3. Vorsorgeanlässe — wann ist welche Vorsorge fällig?

Die ArbMedVV unterscheidet drei Vorsorgearten. Auslöser ist die aktuelle Gefährdungsbeurteilung — nicht das Bauchgefühl der Geschäftsleitung.

3.1 Pflichtvorsorge

Pflichtvorsorge ist erforderlich bei Tätigkeiten mit Lärmexposition, wenn die oberen Auslösewerte erreicht oder überschritten werden:

Die dämmende Wirkung eines getragenen Gehörschutzes wird bei der Beurteilung nicht berücksichtigt — maßgeblich ist immer der unbedämpfte Schallpegel am Ohr. Die Pflichtvorsorge muss vor Aufnahme der Tätigkeit durchgeführt werden, der Mitarbeiter darf ohne sie nicht beschäftigt werden.

3.2 Angebotsvorsorge

Angebotsvorsorge ist anzubieten, wenn die unteren Auslösewerte überschritten werden:

Auch hier gilt der unbedämpfte Pegel. Der Arbeitgeber muss die Vorsorge anbieten — die Annahme bleibt freiwillig. Eine Ablehnung ist zu dokumentieren und entbindet nicht von der Angebotspflicht in den Folgejahren.

3.3 Wunschvorsorge

Wunschvorsorge ist auf Verlangen der versicherten Person zu ermöglichen — außer wenn aufgrund der Beurteilung der Arbeitsbedingungen und der getroffenen Schutzmaßnahmen kein Gesundheitsschaden zu erwarten ist. In der Praxis wird Wunschvorsorge selten verweigert — der Vertrauensschaden ist meist größer als der Aufwand.

3.4 Fristen — Erst- und Nachvorsorge

VorsorgeartErstvorsorgeErste NachvorsorgeFolgevorsorgen
Pflichtvorsorgevor Aufnahmenach 36 Monatenalle 36 Monate
Angebotsvorsorgevor Aufnahmenach 36 Monatenalle 36 Monate
Bei Auffälligkeitnach 12–24 Monatennach 12–24 Monaten

Bei festgestelltem Hörverlust nach den DGUV-Tabellen, oder bei einer Hörverlustzunahme von mehr als 30 dB (Summe 2/3/4 kHz) innerhalb von drei Jahren, sind verkürzte Fristen von 12 oder 24 Monaten dringend zu empfehlen.

Praxisrelevanz: Häufigster Fehler: Erstvorsorge wird erst nach Tätigkeitsbeginn organisiert. Folge: arbeitsrechtliche Lücke und Bußgeldrisiko. CompDocs plant Erstvorsorgen typischerweise vor dem ersten Arbeitstag direkt in den Onboarding-Workflow ein — automatisiert über den Onboarding-Connector.
Betriebsarzt führt Tonschwellenaudiometrie in schalldichter Kabine an Mitarbeiter durch
Audiometrie nach DIN EN ISO 8253-1 — Reinton-Schwellenprüfung in der schalldichten Kabine.

4. Betroffene Branchen und Tätigkeiten

4.1 Tätigkeiten mit höherer Lärmexposition

Laut DGUV-Empfehlung ist insbesondere bei folgenden Verfahren mit relevanter Exposition zu rechnen: Druckluftdüsen, Druckluftwerkzeuge und -maschinen, Schweißgeräte, Schleifmaschinen, Hämmer, Bolzensetzwerkzeuge, Schlagschrauber, Transportvorgänge mit Aufprall- oder Anschlaggeräuschen, Pressen, Sägen, Stanz- und Nibbelmaschinen, Flaschen- und Dosenabfüllmaschinen, Web- und Spinnmaschinen sowie Steinmühlen.

4.2 Tätigkeiten mit geringer oder ohne Exposition

Reine Bürotätigkeiten, Verkaufs- und Beratungstätigkeiten, Außendienst (sofern nicht in lärmintensivem Umfeld), Pflegetätigkeiten in Wohnumgebungen sowie Dienstleistungen ohne Maschineneinsatz fallen üblicherweise nicht unter die Lärm-Vorsorge.

4.3 Top-3-Branchen aus der CompDocs-Kundenbasis

Metallbau / Schlosserei. CNC-Fräsen, Schlagscheren, Plasmaschneider, Schleif- und Polierautomaten erzeugen regelmäßig Pegel von 85–95 dB(A). Schweißen mit Druckluftunterstützung erreicht in Spitzen leicht 100 dB(A). Pflichtvorsorge ist hier in fast jedem Mitarbeiter-Profil indiziert. Praxisbeobachtung: ca. 70 % der Werkstatt-Mitarbeitenden zeigen ab dem 45. Lebensjahr beginnende Hochtonsenken zwischen 3–6 kHz.

Bauwirtschaft (Tiefbau). Vibrationsverdichter, Pressluftaufbruchhämmer, Asphaltfräsen und Betonmischerlaster erzeugen Schallpegel zwischen 95 und 110 dB(A). Erschwerend kommen Knallereignisse durch Bolzensetzwerkzeuge oder das Lösen verklemmter Bauteile dazu. Bei Tiefbauarbeiten gilt zudem häufig kombinierte Belastung durch Hand-Arm-Vibration.

Logistik (Stapler / Verladung). Verladevorgänge an Rampen, Staplerlärm in Hochregallagern und Containerumschläge in Häfen. Die Pegel liegen meist bei 80–88 dB(A), in Sondersituationen (Containerschlag, Sturzgut) deutlich höher. Pflicht- bzw. Angebotsvorsorge ist hier flächendeckend indiziert.

4.4 Berufsgruppen mit hoher Relevanz

Schweißer, Schlosser, Industriemechaniker, Werkzeugmacher, Tischler, Sägewerksmitarbeitende, Zerspaner, Galvaniseure, Bauarbeiter (Hoch- und Tiefbau), Asphalteure, Gerüstbauer, Berufsmusiker, Servicetechniker an lauten Anlagen, Rangierer, Wartungspersonal in Druckereien und Pulvermühlen, Triebfahrzeugführer.

5. Untersuchungsumfang — was passiert bei der Vorsorge?

Die DGUV-Empfehlung Lärm gliedert die Untersuchung in eine Basisuntersuchung („Lärm I“), eine Ergänzungsuntersuchung („Lärm II“) bei Auffälligkeiten und eine erweiterte Spezialdiagnostik („Lärm III“).

5.1 Beratung (Eingangs- und Schlussberatung)

Die Vorsorge beginnt mit einem Beratungsgespräch auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung. Inhalte: Anlass und Zweck, mögliche Gefährdungen, individueller Arbeitsplatz, Akzeptanz und Trageverhalten beim Gehörschutz, Schutzmaßnahmen sowie Aufklärung über vorgesehene Untersuchungen.

5.2 Anamnese und Arbeitsanamnese

Allgemeine Anamnese: Gesundheitszustand, akute und chronische Beschwerden, angeborene Schwerhörigkeit, Mittelohrentzündungen, Trommelfell- oder Schädelverletzungen, Ohr-Operationen, ototoxische Medikamente.

Arbeitsanamnese: konkrete Tätigkeit, Exposition gegenüber Dauerlärm, Ultraschall, Knallereignissen, ggf. ototoxischen Substanzen (z. B. Toluol, Kohlenmonoxid, Bleiverbindungen), frühere berufliche Lärmexpositionen, außerberufliche Lärmexpositionen (Schießsport, Musik).

Beschwerdebild: Hörminderung, Tinnitus, Schwindel, Ohrenschmerzen — jeweils mit Klärung von Dauer, Entwicklung und Auswirkung auf Alltag und Beruf.

Bei Folgevorsorgen zusätzlich: zwischenzeitliche Erkrankungen, subjektive Hörveränderung, Dauer der Lärmexposition, Schutzmaßnahmen (technisch, organisatorisch, PSA), Trageakzeptanz und -komfort, Kommunikationsprobleme oder überhörte Warnsignale.

5.3 Körperliche Untersuchung

Inspektion des Außenohrs (Otoskopie bei Bedarf), Beurteilung von Cerumen, Entzündungszeichen, Operationsnarben.

5.4 Labordiagnostik / Biomonitoring

Nicht regelhaft erforderlich. Nur bei Verdacht auf ototoxische Mischexposition (z. B. mit Lösungsmitteln) ggf. Biomonitoring entsprechend der jeweiligen Gefahrstoff-Empfehlung.

5.5 Funktionsdiagnostik — Audiometrie

Erstuntersuchung („Lärm I“):

Wichtig: Vor der Audiometrie muss das Gehör mindestens 14 Stunden lang keiner Schalleinwirkung mit Mittelungspegel ≥ 80 dB ausgesetzt gewesen sein. Andernfalls drohen falsch-positive Befunde durch reversible Hörschwellenverschiebung (TTS).

Nachuntersuchung: wie Erstuntersuchung; zusätzlich empfohlen wird die Audiometrie mit getragenem Gehörschutz zur Beurteilung der individuellen Schutzwirkung (siehe DGUV Information 212-003).

5.6 Ergänzungsuntersuchung Lärm II

Indiziert bei: Mittel- oder Innenohr-Operationen, Hörsturz, Schwindelanfällen mit Hörstörungen, Gehörgangs-Entzündungen, Überschreitung der Hörverlust-Tabellen (Tab. 1, 2 oder 3 der DGUV-Empfehlung), Hörverlust-Zunahme ≥ 30 dB binnen 3 Jahren. Inhalt: Otoskopie, WEBER-Test, Tonaudiometrie in Luft- und Knochenleitung.

5.7 Erweiterte Ergänzungsuntersuchung Lärm III

Bei beidseitiger Tab.-3-Überschreitung: zusätzlich Sprachaudiometrie nach DIN 45621/45626, Tympanometrie, Bestimmung der Stapediusreflexschwelle und ggf. Impedanzmessung. Diese Diagnostik ist HNO-fachärztlich; der Betriebsarzt bezieht sie über kooperierende HNO-Praxen ein.

Staplerfahrer am Verladedock einer Logistikhalle mit Helm, Warnweste und Gehörschutz
Logistik-Branche: Verladevorgänge an Rampen erreichen 80–88 dB(A) — Pflicht- oder Angebotsvorsorge ist flächendeckend indiziert.

6. Beurteilung und Bescheinigung

6.1 Beurteilungskriterien

Die Beurteilung erfolgt unter Berücksichtigung der Arbeitsplatzverhältnisse und der individuellen Beanspruchung. Vier Kategorien:

6.2 Vorsorgebescheinigung

Nach AMR 6.3: schriftliche Bescheinigung an Beschäftigten und Arbeitgeber — mit Anlass und nächstem Vorsorgetermin, ohne Befund und ohne Diagnose. Schweigepflicht bleibt gewahrt.

6.3 Rückmeldung an das Unternehmen

Ergeben sich Anhaltspunkte für unzureichende Schutzmaßnahmen, hat der Arzt das Unternehmen zu informieren und Schutzmaßnahmen vorzuschlagen (§ 6 Abs. 4 ArbMedVV). Konkrete Diagnosen werden nur mit Zustimmung weitergegeben.

6.4 Fristen für Folgevorsorgen

Regelfristen nach AMR 2.1: spätestens 36 Monate. Bei verkürzter Indikation: 24 oder 12 Monate. Bei Wunschvorsorge keine Fristbindung.

7. Praxistipps für Unternehmen

  1. Gefährdungsbeurteilung als Anker. Ohne aktuelle Gefährdungsbeurteilung mit Lärmmessung gibt es keine valide Vorsorge-Auslösung. Empfehlung: Lärmpegelmessung mindestens alle drei Jahre und nach jeder relevanten Anlagenänderung.
  2. Wer kümmert sich? Die Vorsorge muss vom Arbeitgeber veranlasst werden. CompDocs digitale Arbeitsmedizin übernimmt Organisation, Erinnerung, Durchführung und Dokumentation — inkl. mobiler Audiometriekabine direkt vor Ort, sodass Reisezeiten Ihrer Mitarbeitenden entfallen.
  3. Kosten. Vorsorge nach ArbMedVV trägt der Arbeitgeber. Sie findet während der Arbeitszeit statt. Reisezeit und Untersuchungsdauer sind keine Pausenzeit.
  4. Dokumentation. Vorsorgekartei nach § 3 ArbMedVV ist Pflicht. Verstöße sind ordnungswidrig (§ 11 ArbMedVV) und können je Fall mit bis zu 5.000 Euro geahndet werden. Bei systematischen Verstößen drohen Strafanzeigen und höhere Bußgelder durch die Aufsichtsbehörde.
  5. Schweigepflicht respektieren. Sie erhalten als Arbeitgeber ausschließlich die Bescheinigung („Vorsorge fand statt, nächster Termin am …“) — nicht den Befund, nicht das Audiogramm.
  6. Tragepflicht beim Gehörschutz ab 85 dB(A) ist arbeitsrechtlich durchsetzbar — hier sind Abmahnungen bei beharrlicher Verweigerung möglich. Lärmbereiche müssen entsprechend gekennzeichnet sein (DGUV Vorschrift 1).
  7. Fristen-Tracker einsetzen. CompDocs-Kunden bekommen automatisierte Erinnerungen über die digitale Vorsorgekartei — inkl. Mitarbeiter-Mailing, Erinnerung an HR und Eskalation bei Fristüberschreitung.

8. Praxistipps für Betriebsärzte

Vor der Vorsorge

Eingangsberatung

Untersuchungsdurchführung

Beurteilungsfallen

Dokumentation und Fortbildung

CompDocs-Praxisanker: In der CompDocs-Plattform sind die DGUV-Tabellen 1–3, automatische Auslösung der Lärm-II-Indikation und QR-Code-basierter Mitarbeiter-Erinnerungsversand integriert — das Audiogramm landet direkt in der digitalen Vorsorgekartei.

9. Häufige Fragen (FAQ)

Wer trägt die Kosten der Lärm-Vorsorge?

Der Arbeitgeber — ausnahmslos. Auch Reise- und Wartezeiten gelten als Arbeitszeit (§ 3 Abs. 3 ArbSchG).

Darf ich als Beschäftigter die Untersuchung ablehnen?

Die Untersuchung (Audiometrie) darf nicht gegen Ihren Willen durchgeführt werden. Die Pflichtvorsorge als Termin ist jedoch wahrzunehmen — die Beratung ersetzt dann die Untersuchung. Eine Ablehnung wird dokumentiert, ist aber nicht Teil der Vorsorgebescheinigung.

Was passiert, wenn der Arbeitgeber die Vorsorge nicht anbietet?

Es liegt eine Ordnungswidrigkeit nach § 11 ArbMedVV vor — Bußgeld bis 5.000 Euro je Fall. Bei eingetretener Lärmschwerhörigkeit erhöht sich zusätzlich das Haftungsrisiko gegenüber der Berufsgenossenschaft (Regress nach § 110 SGB VII).

Welcher Arzt darf die Lärm-Vorsorge durchführen?

Fachärzte für Arbeitsmedizin oder Ärzte mit Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin (§ 7 ArbMedVV). Die Audiometrie erfordert ein nach DIN EN 60645-1 zertifiziertes Audiometer und einen ausreichend ruhigen Raum.

Ab welchem dB-Wert ist Pflichtvorsorge erforderlich?

Ab 85 dB(A) Tages-Lärmexpositionspegel oder 137 dB(C) Spitzenpegel — beide Werte unbedämpft, also ohne Berücksichtigung des Gehörschutzes.

Wie oft muss ich zur Lärm-Vorsorge?

Regelfall: alle 36 Monate. Bei Auffälligkeiten oder höherer Exposition: 24 oder 12 Monate. Vor Aufnahme der Tätigkeit ist die Erstvorsorge zu absolvieren.

Was passiert bei festgestellter Lärmschwerhörigkeit?

Der Betriebsarzt empfiehlt verschärfte Schutzmaßnahmen oder verkürzte Vorsorge-Intervalle. Bei Verdacht auf BK 2301 erfolgt eine Anzeige an die zuständige Berufsgenossenschaft. Ein Tätigkeitswechsel wird nur in Ausnahmefällen und nur mit Ihrer Einwilligung an den Arbeitgeber kommuniziert.

10. Quellen, Literatur und DGUV-Zitation

Primärquelle

Rechtsgrundlagen (Stand April 2026)

Arbeitsmedizinische Regeln (AMR)

Technische Regeln und Normen

Lärm-Vorsorge digital organisieren — mit CompDocs.

CompDocs digitale Arbeitsmedizin organisiert die Lärm-Vorsorge für Sie — von der Triggerung aus der Gefährdungsbeurteilung über die mobile Audiometriekabine bis zur lückenlosen, BG-konformen Vorsorgekartei mit Fristerinnerung. Für Unternehmen ab 5 Mitarbeitenden, bundesweit, rechtssicher.

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Stand: April 2026 · CompDocs Holding GmbH · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Maßgeblich sind die in Abschnitt 10 genannten Quellen.